Die Herausgeber

Martin Erdmann widmete sich von 1989-1990 dem Postulat und Noviziat in der Benediktinerabtei Gerleve, anschließend folgte ein Magisterstudium der Slavistik, der Byzantinischen Kunstgeschichte und des Mittellateinischen in Göttingen. Einige Jahre war er Mitarbeiter am Seminar für Slavische Philologie ebendort und publizierte zu literarischen und geistlichen Themen. Seit 2000 ist Martin Erdmann für den Kreativen Einkauf und den Katalog »Gutes aus Klöstern« bei der Manufactum GmbH & Co. KG in Waltrop verantwortlich. Im Herbst 2014 gründete er mit Lara Buschmann das »Zentrum für Klosterkultur«, seit Frühjahr 2015 ist er Beiratsmitglied von KLOSTERLAND e.V.

Lara Buschmann studierte Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Kulturgeschichte und Sozialwissenschaften und Kulturmanagement und Kulturtourismus an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Seitdem ist sie als freie Kulturmanagerin, Beraterin, Dozentin und Moderatorin tätig. Im Auftrag des Vorstandes ist sie seit 2010 für die strategische Entwicklung und Projektleitung der zentralen Vorhaben des KLOSTERLAND e.V. verantwortlich. 2013 hat sie die Leitung der Berliner Geschäftsstelle der projekt2508 GmbH übernommen. 2015 folgte eine Ausbildung zur Moderatorin bei der artop GmbH in Berlin.

Klostergarten und Landwirtschaft

Autorenstimmen

Lara Buschmann M.A.
»Das Thema Klöster erfährt seit einigen Jahren wieder zunehmende Relevanz in der Gesellschaft. Als touristische Attraktionen stehen die Architekturdenkmäler hoch im Kurs, ebenso großen Anklang findet aber die Klosterkultur mit ihren unterschiedlichen Schnittstellen zur Gesellschaft. Besondere Faszination geht von den Klostergärten aus, vermutlich, da ihnen das traditionelle Klosterleben ebenso inhärent ist wie die aktuellen Themen Selbstversorgung, Gesundheit, analoge Arbeit verbunden mit dem Aspekt der Entschleunigung und sicherlich auch die Spiritualität, die im Klostergarten zwar offensichtlich einen christlichen Rahmen hat, dieser aber unter freiem Himmel offener ist als anderswo.«

Martin Erdmann M.A.
»Der Aspekt der Enttäuschung ist sehr interessant. Er könnte auch dazu beigetragen haben, dass die Krise der Klöster eingetreten ist. Denn auch diejenigen, die in ein Kloster eintreten, sind oft enttäuscht, da sie dieselben Vorstellungen haben wie die Klosterbesucher und diese auf geschichtlichen Bildern basieren. Diese gewisse ästhetische Welt, die man verinnerlicht, bevor man ins Kloster kommt, ist dann oftmals nicht vorhanden. In diesem Sinne kann eine Enttäuschung auch heilsam sein.«

Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP
»Was sind die Motive von Menschen, die mit der Kirche nichts zu tun haben, an Wallfahrtsorte oder in Kirchen und Klöster zu gehen? Ich glaube, dass es das Interesse an der ‚Andersheit‘ ist, es geht darum, ein bestimmtes Lebenskonzept zu entdecken, das  anders ist als ihres. Sie schauen hinter das, was sie kennen, was war da mal und was ist da heute noch? Und oft sind sie überrascht, dass im Kloster noch echtes Leben stattfindet. Das ist wohl die Suche nach dem Anderen.«

Prof. Dr. Helmut Flachenecker

»Klöster waren seit dem Frühmittelalter nicht nur Orte des immerwährenden Gebetes, sondern auch wirtschaftliche und administrative Zentren. Sie haben einen erheblichen Beitrag zur Einführung neuer Techniken bei der Feldbearbeitung wie beim Einsatz von Mühlen geleistet. Dieser Ansatz wurde dann Prof. Dr. Helmut Flachenecker von den Zisterziensern im 12. Jahrhundert noch einmal mit einer Innovationsoffensive durch administrative Schriftlichkeit sowie effektive Bewirtschaftungsstrategien im Verbund mit asketischer Demut akzentuiert.«

Prof. Dr. Sabine Foraita
»Die Klosterlandwirtschaft ist seit jeher hochinnovativ, weshalb ich nicht nur im Erhalt, sondern insbesondere in der Weiterentwicklung dieser Tradition großes Potential sehe. Denn der Bedarf ist da: Es findet in der Gesellschaft ein Umdenken bezüglich Gesundheit und Ernährung statt und Klöster könnten  sowohl in der nachhaltigen Produktion als auch im Konsumverhalten als Vorbild fungieren.«

Cornelia von Heßberg M.A.
»Klöster waren früher Orte des Gebets, der Kultur und Wissenschaft. Sie waren Zentren von Herrschaft und Wirtschaft. Diese zentrale gesellschaftliche Stellung haben Klöster im 21. Jahrhundert verloren. Dennoch kann die Beschäftigung mit ihrer Geschichte oder die Nähe zu heutigen Klöstern - je nach jeweiliger Mentalität – helfen, aktuelle Fragen zu beantworten, wie z.B.: Arbeiten mit und ohne Gewinnstreben, nachhaltiges Wirtschaften, (Un-)Gleichheit in Gemeinschaften oder auch die Frage nach einem guten Leben.«

Ralf Gebuhr M.A.
»Als Historiker finde ich es interessant, wenn sich das Verhältnis dreht; das heißt nicht, dass Kloster einen Garten hat, sondern der Garten ein Kloster. Ein Beispiel hierfür wäre der Park Glienicke, in dem der Preußische Prinz sich ein byzantinisches Kloster nachbauen ließ. Wiederum geht es um die Aufladung mit Bedeutung, hier aber in umgekehrter Weise. Ein Phänomen ohne Ende, könnte man sagen...«

Dr. Matthias Wagner
»Wir müssen uns die Frage stellen, was wir in 40 Jahren von der Klosterkultur vermitteln möchten, wenn die Bezugsgeneration – also in diesem Fall Menschen, die eine aktive Ordensgemeinschaft erlebt haben oder Teil von ihr waren – nicht mehr zur Vermittlung zur Verfügung steht. Aus diesem Grunde ist es umso wichtiger, dass die heutigen Ordensgemeinschaften ihre Traditionen aktiv pflegen, weiterentwickeln und lebendig halten.«

 Br. Felix Weckenmann OSB
»Ich habe einen Klostergarten vor Augen: Er muss keine Kreuzform haben, aber vielleicht bietet sich diese an. Er hätte verschlungene Wege und wäre gestalterisch sehr divers. In diesem Garten käme Wasser vor, der Brunnen würde sich aber nicht im Zentrum befinden. In meinem Garten gäbe es viel Grün, freie Flächen, Orte, an denen man sich verstecken kann, also ungesehen ist, und die Orte mit Wasser. Und er müsste zur Muße anregen, nach dem Beispiel der Katzen, nichts zu tun.«