Klostergärten gestern und heute

Ein Projekt von KLOSTERLAND e.V.

Was macht einen Klostergarten aus? Was möchte ich aus einem solchen mit in meinen Alltag nehmen? Und welche Aufgabe haben Klostergärten in unserer heutigen Gesellschaft? Diesen und weiteren Fragen widmete sich im Spätsommer 2016 ein Kreis von Experten und Interessierten im Kloster Bronnbach bei Würzburg. Die Resonanz auf das Symposium „Kloster.Land.Wirtschaft“, das durch den Verein KLOSTERLAND im Vorjahr veranstaltet worden war, hatte gezeigt, dass das Thema Klostergärten fasziniert, ästhetisch und emotional anspricht, gleichzeitig aber ein aktueller Diskurs zu historischen und aktuellen Gegebenheiten vermisst wird. Finanziell durch die Landwirtschaftliche Rentenbank unterstützt, widmete sich in diesem zweiten Angang eine kleine Runde aus Ordensleuten und Klosterverwaltern, Touristikern und Kulturmanagern sowie Historikern, Landschaftsarchitekten und Denkmalpflegern ihren besonderen Fragen rund um das Thema Klostergärten. Im Kloster Bronnbach, nicht weit von Würzburg gelegen und bekannt für seine Gärten, dachten die Teilnehmer gemeinsam darüber nach, wie ein zeitgemäßer Klostergarten aussehen könne, was ihn ausmache und welche Funktion er diesseits und jenseits der Klostermauern haben solle.

Die Essenz des Klostergartens.

Klostergärten unterscheiden sich von Ort zu Ort erheblich. Die topografische, klimatische und auch historische Beschaffenheit des Ortes, aber auch die Menschen, die im Garten arbeiten, sind prägend. Die Nutzung des Gartens untergliedert sich in den wirtschaftlichen und den geistlichen Teil. Zum ersten Bereich gehört die Nutzung als Heil- und Medizingarten sowie als Produktionsstätte von Nahrung. Dieser Teil steht also für die Autarkie, die Selbstversorgung der Klöster, die in früheren Zeiten sehr ausgeprägt war und vielleicht heute wieder stärker an Bedeutung zunehmen könnte. Die Weiterentwicklung und Weitergabe des Wissens war diesem Teil immer inhärent. Der geistliche Teil des Klostergartens wird in erster Linie im Kreuzgarten realisiert, findet aber auch im wirtschaftlichen Teil Ausdruck. Dieser „Himmel auf Erden“, dieses „Paradies“ wird zur Ehre Gottes gestaltet und ist ein Ort der Kontemplation.

Mitbringsel aus dem Klostergarten.

Besucher möchten gern etwas aus dem Klostergarten mitnehmen. Vor Ort findet vor allem sinnliches Erleben und praktisches Lernen statt. Diese Erlebnisse können intuitiv stattfinden oder pädagogisch gelenkt sein durch Informationen und Wissensvermittlung. Zu der sinnlichen Erfahrung gehört das Erleben von Schönseit, der Genuss, die Erfahrung einer Gottes-Ahnung.
Im praktischen Bereich kann man über Pflanzen und ihre Bedeutung, gärtnerische Techniken und verantwortungsvolles Wirtschaften lernen. Klöster können darüber hinaus ihren Besuchern Produkte anbieten, mit denen sie nicht nur Gelder erwirtschaften, sondern eine sinnvolle Erinnerung an den Klosterbesuch schaffen können. Dies können Gartenprodukte wie Sämereien oder auch Publikationen sein oder auch Gemüse, Obst, Honig, Tinkturen, Räucherwerk und Heilkräuter. Indem die Produkte etwas über den Ort erzählen, kann das Erleben des Genius Loci eines Klostergartens nach Hause übertragen werden.

Gesellschaftliche Aufgaben eines Klostergartens.

Die Multifunktionalität und Vielschichtigkeit unterscheidet den Klostergarten in der Gesellschaft von anderen Gärten wie Schlossgärten, Gärtnereibetrieben, Tiergärten und Parks. Ein solcher Garten entfaltet seine Wirkung entweder unterschwellig oder ganz bewusst interpretierend und mit pädagogischem Bewusstsein. Auf jeden Fall ist die Wirkung eng mit Ort und Gärtner verbunden. Ein Klostergarten spricht durch seine Schönheit fast jeden Menschen unmittelbar an. Die Schönheit basiert auf der Zweckfreiheit vieler seiner Aspekte und bietet dadurch einen Raum mit therapeutischem Wert. In ihm können wir zu uns selbst und zu Gott finden und von dort aus zu einem sinnvollen Platz in der Gesellschaft. Die Besucher eines Klostergartens bekommen einen neuen, intensiveren Blick auf das, was sie umgibt – die unmittelbare Umwelt und die Außenwelt des Gartens. Dies führt zur achtsamen Nutzung des Gartens und der Natur, sei es durch die Nahrungsmittelproduktion oder die Medizin – und zu einem Verständnis für die allgemeinen ökologischen Zusammenhänge. Der Garten erschließt sich als Ort gestalteter Natur und universeller Schönheit intuitiv und instinktiv und überwindet so Religions- und Nationsbarrieren. Die Internationalität und Vielseitigkeit der Pflanzen kann als Spiegelbild der Gesellschaft ein Beispiel sein.

Albert der Große und seine Rasenbank.

Das Kloster Bronnbach im lieblichen Taubertal, einstmals Zisterzienserabtei und heutiges Mitglied von KLOSTERLAND e.V., bot mit seinen drei repräsentativen Gärten – der Orangerie mit Kräutergarten, dem Saalgarten und dem derzeit in Sanierung befindlichen barocken Abteigarten – nicht nur den passenden Rahmen für den Klostergarten-Workshop. An der Weinbergsmauer fand sich auch Platz für die Errichtung einer „Rasenbank“ nach Albertus Magnus, dem berühmten Dominikaner und Theologen des 13. Jahrhunderts, die von nun an Besucher zur Rast im Klostergarten einlädt. Gerade dieser große Denker legte Wert auf die Erholung im Garten. In Bronnbach wurde sie rundum mit einer Hohlverschalung gestützt und mit schnell wachsenden Bodendeckern bepflanzt. So wird sie sich nach und nach in ihre Umgebung einfügen und den einen oder anderen Besucher zum Verweilen mit Blick auf die Klosterkirche einladen.

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