LAGE UND UMGEBUNG


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Ein Denkmal über der Oder

Keine Stadt Polens liegt weiter im Westen als Cedynia (Zehden). Nur 3km vom Ostufer der Oder entfernt liegt sie im Zehdener Landschaftspark1 und in der Nähe des Deutsch-Polnischen Nationalparks Unteres Odertal2, welche zusammen eine Naturschutzeinheit bilden.

Während im Nationalpark Unteres Odertal die Oderaue und ihre Landschaft unter Schutz stehen, ist für den Zehdener Landschaftspark die nacheiszeitliche abwechslungsreich geprägte Landschaft charakteristisch. Hügel und tiefe Seen, dichte Wälder und Moorlandschaften, aber auch steppenartige Wiesen erstrecken sich hier nebeneinander auf relativ kleinem Raum. Viele geschützte Tiere, wie Wölfe, Schwarzstörche, Seeadler und Pflanzen, wie die Flaumeiche sowie das Purpur-Knabenkraut sind hier heimisch.

Auf einem der Moränenhügeln, der Góra Czcibora (Czcibor-Berg), lediglich 4km von Cedynia entfernt, steht ein 15m hohes Denkmal aus den 1970er Jahren, das an die Schlacht von 972 erinnert. Bei diesem Ereignis trafen der polnische Herzog Mieszko I. und der Lausitzer Markgraf Hodo I. aufeinander. Das Gefecht um die Grenzsicherung wäre möglicherweise gar nicht in die Geschichte eingegangen, wäre es nicht in den Schriften zweier mittelalterlicher Geschichtsschreiber festgehalten worden. Die erste Überlieferung ist die Chronik Thietmars von Merseburg (975–1018), dessen Vater Siegfried Graf zu Walbeck bei der Schlacht an der markgräflichen Seite kämpfte und sie als einer der wenigen Kämpfer des Markgrafen Hodo überlebte. Der zweite Bericht ist die Polnische Chronik des zu Beginn des 12. Jahrhunderts am polnischen Hof tätigen Gallus Anonymus.

Der Berg, auf dem sich das Denkmal erhebt, trägt den Namen des herzoglichen Bruders Czcibor, der mit seiner Kriegerschar bei der Schlacht Mieszko zur Hilfe eilte und den Kampf für die Polanen entschied. Die Schlachtbeschreibung in der Merseburger Chronik ist die einzige historische Erwähnung seiner Person.

Spaziergang durch Cedynia und Moryń

Cedynia wird in Polen – nicht zuletzt dank der Propaganda in sozialistischen Zeiten, die die Schlacht für die Begründung polnischer Ansprüche auf Pommern instrumentalisierte – meist mit dem Schlachtort in Verbindung gebracht. Doch die kleine Stadt hat viel mehr zu bieten. Die Überreste des Zisterzienserinnenklosters auf dem Klosterberg und die Stadtkirche St. Marien erinnern noch heute an das Mittelalter. Die mehrfach umgebaute Kirche stammt ursprünglich aus dem Ende des 13. Jahrhunderts und ist eine einschiffige Hallenkirche aus Feldstein. Den neugotischen Backsteinturm im Westen errichtete man 1893.

Am Markt stehen noch viele architektonisch wertvolle Bürgerhäuser und das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert, in den Gassen sieht man Handwerkshäuser aus derselben Zeit. Etwas südlich des Marktes befindet sich ein Aussichtsturm von 1895, der als Denkmal des Deutsch-Dänischen Krieges 1864, des Deutschen-Krieges 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erbaut wurde.

Ende des 18. Jahrhunderts legte man im Süden der Stadt Weinkeller an, indem man Höhlen in die Hügelböschung grub. Sie befinden sich bei der heutigen Kościuszko-Straße, unweit des stark zerstörten jüdischen Friedhofs.

Viele Elemente einer mittelalterlichen Stadt blieben in dem malerischen Städtchen Moryń (Mohrin) am Mohriner See erhalten. Auf einer Halbinsel kann man noch die Ruinen einer Markgräflichen Burg vom Anfang des 14. Jahrhunderts sehen. Die Anlage wurde bereits Ende desselben Jahrhunderts, vermutlich durch die Pommern, zerstört.

In der Altstadt von Moryń beeindruckt eine romanische Feldsteinkirche. Ihr Turm ist mit einer offenen Durchfahrt mit Spitzbogenöffnungen ausgestattet. Eine Besonderheit im Inneren des Baus stellen der Altartisch aus Granitwürfeln aus dem 12. Jahrhundert und die Fragmente von Wandmalereien des 15. Jahrhunderts dar. Die mittelalterliche Stadtstruktur ist in Moryń fast unverändert erhalten geblieben – genau wie die Stadtmauern aus Feldstein. Die Stadtbebauung aus dem 18. und 19. Jahrhundert vervollständigt das malerische Bild.

Quellen (bitte klicken)
1 Cedyński Park Krajobrazowy
2 Międzynarodowy Park Dolina Dolnej Odry
  • GAHLBECK, Christian: Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark. Berlin 1998.
  • JASIŃSKI Kazimierz: Rodowód pierwszych Piastów. Poznań 2004.
  • LABUDA, Gerard: Gallus Anonymous. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 1099.
  • LIPPELT, Helmut: Thietmar von Merseburg – Reichsbischof und Chronist. Köln 1973.
  • MIGDALSKI Paweł: Znaczenie i lokalizacja bitwy pod Cidini w świetle historiografii. In: PISKORSKI, Jan M. (Hrsg.): Civitas Schinesghe. Mieszko I i początki państwa polskiego. Poznań/Gniezno 2004, S. 159–169.
  • Mohrin. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg Bd. 7, Teil 1. Kreis Königsberg Neumark. Berlin 1928, S. 193–205.
  • SCHULTZE, Johannes: Zehden. In: Heinrich, Gerd (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Bd.10. Berlin und Brandenburg. Mit Neumark und Grenzmark Posen-Westpreußen. Stuttgart 1995, S. 476.
  • http://www.cedynia.pl
  • http://www.moryn.pl