DIE ANLAGE

Lange Baugeschichte

Die ehemalige Klosteranlage der Zisterzienserinnen in Zehden (Cedynia) entstand in einem langwierigen, mehrfach unterbrochenen, sowie durch Finanzierungsengpässe und mindestens einen Brand erschwerten Bauprozess. Er dauerte – in drei Phasen unterteilt – von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nach der Reformation, während der Nutzung als Domänengut, unternahm man weitere Umbauten, doch im Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage von den Schwedischen Truppen in Brand gesetzt und erlitt 1637 schwerwiegende Zerstörungen.

Während der Ostflügel vollständig zerstört wurde, baute man den Westflügel 1641 im Barockstil aus und funktionierte ihn zu einem kurfürstlichen Jagdschloss um. Zur Zeit der Zisterzienserinnen beherbergten die Räumlichkeiten des zweigeschossigen Flügels höchstwahrscheinlich das Nonnenrefektorium und darüber das gemeinsame Dormitorium bzw. später die Schlafkammern der Schwestern. Das untere Geschoss des Westflügels mit dem barocken Aufbau ist das einzige in der Originalsubstanz erhaltene Gebäude der Konvensanlage.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg baute man auf dem Gelände der Domäne neue Wirtschaftsgebäude auf, darunter die sog. Große Küche, ein Brau- und ein Backhaus. Die Klosterkirche, die den Krieg ohne größere Schäden überdauerte, diente noch einige Jahre als kurfürstliche Schlosskirche, bis auch sie – zusammen mit anderen Domänenbauten – 1699 einem Großbrand zum Opfer fiel. Die Überreste des ehemals einschiffigen, rechteckigen Hallenbaus zerfielen im Laufe der Jahre, sodass heute nur noch einige Wandfragmente oberirdisch zu sehen sind.

Der Westflügel diente seit dem 18. Jahrhundert als Amtshaus und im 19. Jahrhundert als Herberge auf dem Gelände des hier ansässigen königlichen Posthofes. Es wurde bis einschließlich 1945 bewohnt und dann als kriegszerstörte Ruine verlassen.

Erst seit 1990 befindet sich die ehemalige Anlage in privaten Händen. Von 1997 bis 2005 wurde der Bereich des Westflügels mit dem barocken Aufbau restauriert und als ein Hotel ausgebaut.

Nur unter der Erde

Aufwendige archäologische Untersuchungen, die vom Uniwersytet Szczeciński (Universität Stettin) Ende der 1960er Jahre durchgeführt wurden, förderten wertvolle Informationen zu den übrigen Bauten der Klosteranlage zutage. So handelte es sich bei dem, in einer prominenten Lage auf dem Klosterberg nördlich der Stadt errichteten Baukomplex um eine dreiflügelige Anlage mit der Kirche im Norden und zwei Seitenflügeln. Der Südflügel war zwar geplant, wurde jedoch nie errichtet.

Von dem im Inneren der Anlage verlaufenden Kreuzgang und vom Ostflügel ist heute nichts mehr zu sehen. Die Steine des Ostflügels wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg abgetragen und teilweise als Baumaterial für die neu erbauten Wirtschaftsbauten des Domänenamtes verwendet. Die archäologischen Grabungen wiesen einen über 30m langen Bau mit vier Räumen nach, wobei über ihre Verwendung nichts genaueres gesagt werden kann. Die ältere Forschung vermutete in dem Flügel u.a. die Sakristei, den Novizen- und den Kapitelsaal, die Angaben bleiben jedoch spekulativ.

Die Architekten der Abtei verwendeten für die Errichtung der Anlage zweierlei Material, das auch die Trennung der zwei ersten Bauphasen markiert. Während man zunächst Feldsteine verwendete, zog man später Ziegelsteine vor.

Quellen (bitte klicken)
  • GAHLBECK, Christian/WITTKOPP, Blandine: Zehden. Zisterzienserinnen. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 1314–1316.
  • NAWROSKI, Tadeusz: Klasztor cysterek w Cedyni, pow. Chojna, w świetle badań archeologicznych – Teil I/II. In: Materiały Zachodniopomorskie 18/1972, S. 305–417 u. 19/1973, S. 271–384.

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