Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Zehden

Geregeltes Leben in einer kleinen Gemeinschaft

Über die Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Zehden (Cedynia) sind uns nur wenige gesicherte Informationen überliefert. Noch weniger wissen wir über das eigentliche Leben im Kloster. Vermutlich lebten die Nonnen in einer kleineren Gemeinschaft und stammten vorwiegend aus neumärkischen Adelsfamilien. Namen wie von der Goltz, von Schönebeck und von Sydow sind in den Dokumenten verzeichnet, aber auch bürgerliche Töchter werden als Konventsmitglieder bestätigt.

Die Quellen belegen die Ämter der Priorin und seit 1306 der Äbtissin. Ende des 15. Jahrhunderts fanden eine Subpriorin, eine Cameraria (Kämmerin) und eine Sacrista (Sakristianin) Erwähnung.

In Zisterzienserinnenklöstern waren die Ämter analog zu den männlichen Klöstern organisiert, wenn auch einige von ihnen, wie das des Verwalters (Provisor), nicht von Frauen besetzt werden durften. Der hierarchische Aufbau einer Klostergemeinschaft, der sich in der Amtsaufteilung widerspiegelt, war nötig, um das Leben innerhalb der Gruppe zu regeln, den festen Rhythmus des Tagesablaufs einzuhalten und die wirtschaftliche Situation zu kontrollieren. Die Strukturen waren in allen Ordensgemeinschaften ähnlich und gingen auf die Regel des hl. Benedikts zurück.

Verwaltung, Aufsicht und spirituelle Führung

Die für Zehden nachgewiesenen Ämter der Äbtissin und der Priorin erfüllten leitende Aufgaben. Eine Äbtissin – von lat. abbas, also Vater – war spirituelles und organisatorisches Oberhaupt der Gemeinschaft. Dabei war sie jedoch nicht berechtigt, bestimmten geistlichen Aufgaben, die in der Kirche Männern vorbehalten waren, wie beispielsweise das Spenden der Sakramente und das Abhalten von Messen, nachzugehen. Die Wahl einer Äbtissin war nur dann rechtskräftig, wenn sie unter der Leitung des Abtes des Mutterklosters erfolgte.

In der Rangordnung stand die Priorin unterhalb der Äbtissin. Sie übernahm Kontrollaufgaben, wachte über das klösterliche Leben und über die Einhaltung der Ordensregel, kümmerte sich aber auch um die Verwaltung des Grundbesitzes. Diese Aufgabe war jedoch soweit begrenzt, dass seit spätestens 1312 jedem Frauenkloster ein männlicher Provisor beistand, der die Verwaltung und die Geschäfte des Klosters führte. In der Regel wurde das Amt an den Prior des Mutterklosters vergeben. So ist auch für Zehden diese Funktion erstmals im Jahr 1311 überliefert. Wie es scheint, behielten die Zehdener Nonnen Einfluss auf die Verwaltung ihrer Besitztümer, denn bereits Mitte des 15. Jahrhunderts nennen die Quellen einen weltlichen Vertreter, der dem Prior (Provisor) als Ratgeber zur Verfügung stand. Er stammte immer aus einer der Adelsfamilien, deren Töchter im Kloster lebten. Schon bald ging die Besitzverwaltung vollständig in Laienhände über und das Amt des Provisors wurde aufgehoben.

Die Aufgaben einer Cameraria – also der Kämmerin – sind im wirtschaftlichen und einer Sacrista – der Sakristanin oder Kustodin – im geistlichen Bereich des Klosterlebens zu suchen. Der ersten unterstand die Kontrolle des klösterlichen Vermögens, sowohl der Finanzen, als auch des gesamten Sachbesitzes. In wie weit sich die Zuständigkeitsbereiche der Kämmerin und des Provisors in Zehden überschnitten oder ergänzt haben, ist nicht nachvollziehbar. Die Sakristianin übernahm die Aufgaben einer Kirchendienerin und kümmerte sich um die Kirche und die kirchliche Ordnung.

Quellen (bitte klicken)
  • BREMER, Jörg: Der monastische Alltag: Arbeit, Gebet, Besinnung. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.): Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 22–26.
  • GAHLBECK, Christian: Zehden. Zisterzienserinnen. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 1305–1319.
  • KINDER, Terryl N.: Die Welt der Zisterzienser. Darmstadt 1997.
  • SCHWAIGER, Georg: Mönchtum, Orden, Klöster von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1994.