GESCHICHTE DER KOMMENDE QUARTSCHEN

Nur wenig ist sicher

Die Zisterzienserinnen lebten wohl seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Zehden (Cedynia). Da jedoch keine Dokumente aus der Zeit erhalten sind, können über das Gründungsjahr und die -umstände nur Vermutungen geäußert werden. So geht man davon aus, dass das Kloster zwischen 1250 und 1278 gegründet wurde. Als Stifter gelten die Askanier, der Förderer ist aber namentlich nicht bekannt.

Ebenfalls fraglich ist, seit wann und ob die Schwestern überhaupt offiziell dem Zisterzienserorden angehörten. Es war keine Seltenheit, dass religiöse Frauengemeinschaften nach der zisterziensischen Ordensregel lebten und doch nicht in den Orden eingegliedert waren. So unterstanden sie nicht dem Abt eines Mutterklosters sondern meist dem Bischof der Kirchenprovinz, in der sich ihr Kloster befand. Über die diesbezüglichen Verhältnisse der Schwestern in Zehden schweigen die Quellen. Lediglich die Klosterverfassung, die von einer Äbtissin spricht, sowie die Parallelentwicklung des Zisterzienserinnenklosters in Reetz (Recz) liefern Hinweise auf eine mögliche Inkorporation.

Als gesichert gilt jedenfalls die päpstliche Anerkennung der Zisterzienserinnengemeinschaft, die in einer Urkunde von Bonifaz VIII. 1295 bestätigt wurde. Anfang des 14. Jahrhunderts verfügten die Nonnen außerdem über beträchtlichen Grundbesitz, darunter auch das ehemalige Burglehen von Zehden mit den Ruinen des Burgwalls, dem Kietz und der Vorstadt. Möglicherweise zählten dazu auch die daran gebundenen Herrschaftsrechte für die Region und die Aufgaben der Seelsorge gegenüber der slawischen Bevölkerung sowie mehrere Dörfer im Umkreis. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts waren die Zisterzienserinnen im Stande, Besitzrechte am Städtchen Zehden zu erwerben.

Bis ins 15. Jahrhundert mussten die Nonnen einige finanzielle Schwierigkeiten überwinden, die aus unterschiedlichen Streitigkeiten um Besitzgrenzen und Abgaben seitens der Stadt Zehden erwachsen waren. Die neumärkischen Unruhen um die Waldenserprozesse betrafen das Kloster offensichtlich nur am Rande, doch im Zuge von Adelsfehden und in der Zeit der Hussitenkriege erlitt der Konvent viele Einbußen. Über die Entwicklung des Klosters unter den Hohenzollern, die 1455 die Neumark erwarben, gibt es nur vereinzelte Nachrichten, so geht man davon aus, dass die Zeit ruhig verlief und sich das Kloster bis zur Reformation einer gewissen Stabilität erfreute.

Vom Damenstift zum Hotel

Die Neumark wurde 1538 evangelisch, nachdem Markgraf Hans von Küstrin den neuen Glauben angenommen hatte. Das Kloster wurde allerdings nicht sofort aufgelöst. Doch bereits in den 1540er Jahren übernahm ein Vorsteher des Landesherren die Führung der klösterlichen Wirtschaft. Endgültig aufgehoben wurde es 1555. Die letzten 14 Nonnen behielten ein Bleibe- und Unterhaltsrecht. In der Praxis wurde das Nonnenkloster in ein Damenstift umgewandelt, das tatsächlich, mit Unterstützung des neumärkischen Adels, bis 1611 überdauerte und auf dem Klostergelände zeitgleich mit der Gutsverwaltung bestand.

Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt die mittelalterliche Anlage großen Schaden und begann zu verfallen. Neben dem Domänengut, das bis spätestens 1822 existierte, dienten die Bauten als kurfürstliches Jagdschloss und seit 1850 als Posthof. Das letzte stehende Gebäude das auf einen mittelalterlichen Bau zurückging, war die in der Barockzeit umgebaute westliche Konventsflügel. Bis Ende 1945 bewohnt, blieb es bis in die 1990er Jahre sich selbst überlassen. Ein Privatinvestor übernahm 1997 die Restaurierung und den Umbau. Heute gehört das Gebäude zu einer Hotelanlage.

Quellen (bitte klicken)
  • GAHLBECK, Christian: Zehden. Zisterzienserinnen. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 1305–1319.
  • GAHLBECK, Christian: Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark. Berlin 1998.