Das Kloster in vorreformatorischer Zeit

Nach der Kolonialisierung und Christianisierung Mecklenburgs durch Heinrich den Löwen im 12. Jahrhundert, wurde das Zisterzienserinnenkloster Rühn[1] als eines der ersten Frauenklöster in Mecklenburg 1232 gegründet.[2] Nicht wie üblich von einem Fürsten, sondern von einem Bischoff gestiftet, kam dem Kloster eine besondere Rechtsstellung zu. Der Gründer Bischoff Brunward von Schwerin stattete es mit reichem Grundbesitz aus, der im Verlauf des 13. Jahrhunderts durch Stiftungen, Abgaben und Hebungung beträchtlich erweitert wurde.[3] Im Gegensatz zu Mönchsklöstern wurde die Bewirtschaftung der Klostergüter, die in Rühn v.a. in Hopfenanbau, Fischfang, Holzgewinnung, Nutzvieh- und Pferdezucht bestand, nicht von den Nonnen, sondern von männlichen Klosterbediensteten und Lehnsbauern verrichtet, die dem Propst als weltlichem Verwalter des Klosters unterstanden. Neben der Gestaltung des Gottesdienstes gehörte das Sticken und Weben liturgischer Gegenstände zu den Aufgaben der Nonnen, bei denen es sich zumeist um unverheiratete oder verwitwete Adelsfrauen handelte.[4]

Das Kloster von der Reformation bis heute

Wenigstens einen Teil der Frauenklöster in dieser Funktion als Versorgungsanstalten unverheirateter Töchter des Adels zu erhalten erbaten 1555, nach der Einführung der Reformation, die Mecklenburger Stände. Nachdem diesem Ersuchen 1572 in den Sternberger Reversalien entsprochen worden war,[5] erließ Herzogin Elisabeth 1581 eine Klosterordnung, die dem – nunmehr evangelischen – Frauenkloster Rühn drei Jahrzehnte nach Einführung der Reformation seine ursprüngliche Gestalt wiedergab.[6] Diese Klosterordnung, mit der auch die Einrichtung einer Mädchenschule verbunden war, blieb, mit leichten Abwandlungen, auch nach dem Dreißigjährigen Krieg bis zur Auflösung des Klosters 1756 bestehen.[7] Nachdem das in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters eingerichtete Domanialamt Bützow-Rühn 1849 nach Bützow verlegt wurde, gingen die ehemaligen Klostergebäude mit Ausnahme der Kirche und eines Teils des Ostflügels in Privatbesitz über, wurden seit 1920 als „Hotel-Pension Kloster Rühn" bewirtschaftet und kamen 1927 in Besitz der Allgemeinen Ortskrankenkasse, die auf dem Gelände die Einrichtung eines Sanatoriums plante. In Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nutzte ab 1934 der Reichsarbeitsdienst die Anlage, in welcher nach dem Zweiten Weltkrieg Waisenkinder und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten untergebracht wurden.[8] 1950 bis 1991 als Jugendwerkhof genutzt,[9] schien die viel bewegte 775jährige Geschichte des Klosters nach der Wende mit Leerstand und Verfall enden zu müssen, als 2008 der Klosterverein Rühn e.V. die geschichtsträchtigen Gebäude kaufte. Dieser hat es sich seither, mit Hilfe großzügiger Spender, etlicher Stiftungen und Landesmitteln sowie der Erwirtschaftung von Eigenmitteln zur Aufgabe gemacht, das ehemalige Zisterzienserinnenkloster wieder zu einem Zentrum der Region zu machen, „in kultureller, touristischer und wirtschaftlicher Hinsicht".[10]

Quellen (bitte klicken)

Quellen:

  • BÖHLAND, Susanne: Das evangelische Kloster Rühn im Stiftsland Schwerin und seine Rechtsverhältnisse seit Beginn der lutherischen Reformation. Teil I. In: Mecklenburgia Sacra. Jahrbuch für Mecklenburgische Kirchengeschichte. Hrsg. von BUNNNERS, Michael/ PIERSIG, Erhard, Bd. 2 (1999), S. 59-84.
  • BÜLOW, Gottfried. v.: Die Klosterordnung von Rühn vom Jahre 1581. Nach den Acten des Königlichen Staatsarchivs zu Stettin. Stettin 1885.
  • KLOSTERVEREIN RÜHN E.V. (Hrsg.): Kloster Rühn. Eine bewegte Geschichte. Rühn 2012.
  • LISCH, Georg C. F.: Über die Stiftung der Klöster und Kirchen zu Bützow und Rühn, vom Archivar Lisch zu Schwerin. In: DERS. (Hrsg.): Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde aus den Arbeite des Vereins, 8. Jg. (1843), S.1-8.
  • WILLGEROTH, Gustav: Die Mecklenburg-Schwerinischen Pfarren seit dem Dreißigjährigen Kriege mit Anmerkungen über die früheren Pastoren seit der Reformation. Wismar 1924.

Fußnoten

  1. Georg Lisch zitiert einen Aktenbestand von 1233, in dem Bischoff Brunward darauf hinweist, dass bereits sein Vorgänger Berno, erster Bischoff von Schwerin, in seiner Amtszeit mit der Einrichtung eines Nonnenklosters in Bützow begann, dieses Vorhaben wegen eines Einfalls der Wenden jedoch abbrechen musste (vgl. LISCH, Georg C. F.: Über die Stiftung der Klöster und Kirchen zu Bützow und Rühn, vom Archivar Lisch zu Schwerin. In: DERS. [Hrsg.]: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde aus den Arbeite des Vereins, 8. Jg. [1843], S.1-8, S. 7). Zur Gründung vgl. auch  Mecklenburgisches Urkundenbuch Band I (786-1250). Schwerin 1863, S.422 (Nr. 417/1233 Mai 14 Stade). Zit. nach: BÖHLAND: Das evangelische Kloster Rühn. Teil I. In: Mecklenburgia Sacra, Bd. 2 (1999), S. 60.
  2. Vgl. BÖHLAND: Das evangelische Kloster Rühn. Teil I. In: Mecklenburgia Sacra, Bd. 2 (1999), S. 61.
  3. Vgl. ebd. S. 61f. Zur Bewirtschaftung des Klosters vgl. außerdem HARLOFF/ PILGRIM: Wie alles begann. In: KLOSTERVEREIN RÜHN E.V. (Hrsg.), S. 16-19.
  4. Vgl. ebd. S. 68.
  5. Nachdruck der Klosterordnung in: BÜLOW, Gottfried. v.: Die Klosterordnung von Rühn vom Jahre 1581. Nach den Acten des Königlichen Staatsarchivs zu Stettin. Stettin 1885. S.17-27.
  6. Vgl. WILLGEROTH, Gustav: Die Mecklenburg-Schwerinischen Pfarren seit dem Dreißigjährigen Kriege mit Anmerkungen über die früheren Pastoren seit der Reformation. Wismar 1924, S. 92. Zur Mädchenschule vgl.  BÜLOW: Die Klosterordnung von Rühn, S. 14f.
  7. Vgl. HARLOFF, Hans-Georg: Kloster Rühn als Amstsgebäude (1756-1849).  In: KLOSTERVEREIN RÜHN E.V. (Hrsg.): Kloster Rühn, S. 42-45; LOWTZOW, Christoph v.: Kloster Rühn in Privatbesitz (1849-1927). In: ebd.: S. 46-61; DERS.: Rühn zur Zeit des Nationalsozialismus und nach dem Zweiten Weltkrieg. In: ebd.: S 62.
  8. Vgl. BOECKER, Arne: Rühn als Jugendwerkhof (1950-1991). In: KLOSTERVEREIN RÜHN E.V. (Hrsg.): Kloster Rühn, S. 64-69.
  9. PILGRIM, David: Vorwort. In: KLOSTERVEREIN RÜHN E.V. (Hrsg.): Kloster Rühn, S. 6-9, S. 6.

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