Die Klosteranlage

Ein Kloster und ein markgräfliches Hof

Die Prenzlauer Dominikaner legten ihre Klosteranlage am südwestlichen Rand der Altstadt, direkt am Steintor, in leicht erhöhter Lage über dem Uckersee an – eine Lage, die nicht nur günstig, sondern auch typisch für Klöster der Bettelorden war. Diese suchten, vor dem Hintergrund ihres Aufgabenspektrums, immer die Nähe der Städte und siedelten gerne innerhalb des Berings oder in den sich entwickelten Quartieren der Neu- und Vorstädte.
Im Zuge archäologischer Grabungen auf dem Klosterareal, die seit den 1990er Jahren durchgeführt wurden, konnte u.a. der Vorgängerbau der Klosteranlage, der askanische Stadthof, freigelegt werden. Nach der Zustimmung zur Klostergründung 1275 hatten die Dominikaner Teile des markgräflichen Hofes übereignet bekommen, während die anderen Gebäude zunächst weiterhin vom Landesherren genutzt wurden.
Die dreischiffige Backsteinhallenkirche, 1343 geweiht, und der Klausurbereich bildeten zusammen mit einem Anbau, der ehemaligen Bibliothek, heute dem Sitz der Superintendentur der Uckermark, und einem Wirtschaftsgebäude den Kern des Klosters, der in vier Bauphasen von 1275 bis um 1500 errichtet wurde.

Der beeindruckende Bau der gotischen Klosterkirche zeichnet sich durch Drei- und Vierpass-Lanzettfenster aus. Das nördliche Kirchenportal mit dem Haupteingang – besonders aufwendig mit Ranken aus Hohlkehlen, Birnstäben und Weinlaub geschmückt – könnte auf die herausragende Ausrichtung zum markgräflichen Hof zurückzuführen sein. Der Kreuzgang, das Refektorium mit seinen Wandmalereien und die Frauenkapelle mit gotischen Bau- und Schmuckelementen, die ihre stilistischen Wurzeln sowohl in den Arbeiten der Brandenburger Dombauhütte als auch der Choriner Bauhütte haben, gehören zu den sehenswertesten Beispielen der Backsteingotik.

Aborterker und Heizung – das klösterliche Leben

Viele der Bauelemente sind nicht nur kunstgeschichtlich wertvoll, sondern geben auch Einblick in das alltägliche Klosterleben. So ist südlich des Klosters noch heute ein turmartiges Gebäude in der Stadtmauer zu sehen, das den Mönchen als Abtritt gedient hatte. Solche oft außerhalb der Mauer gelegenen Latrinentürme gibt es auch auf Burgen. Klöster erfüllten mit ihren Abortanlagen jedoch eine Vorbildfunktion.

Auf die persönliche Körperhygiene, darunter nicht nur regelmäßiges Baden, sondern auch gründliches Abputzen und Händewaschen nach der Verrichtung der Notdurft, wurde in den Klosterordnungen großer Wert gelegt. Die Lage der Abtritte unterlag praktischen Gegebenheiten. Lag der Abort außerhalb der Anlage, konnte man die unangenehmen Gerüche fern halten und die Säuberung der Fäkaliengrube einfacher durchführen. In zahlreichen Klöstern baute man Aborterker direkt über fließendem Wasser, so dass die Fäkalien weggespült wurden. War dies nicht möglich – was in Prenzlau offensichtlich der Fall war – brachte man unterhalb der Öffnung einen hölzernen Schacht an, um die Verschmutzung der Mauer und der direkten Umgebung zu vermeiden.

Sowohl im Süd- als auch im Westflügel der Prenzlauer Klausuranlage gab es Warmluftheizungen. Solche Anlagen sind in mittelalterlichen Klöstern keine Seltenheit. Sie zeugen von einem höheren Lebensstandard, den sich nicht jeder Adlige in seiner Burg leisten konnte. Ältere Klöster mussten sich oft mit einem gemeinschaftlichen Wärmeraum, dem sogenannten calefactorium begnügen. Eine Warmluftheizung bestand in der Regel aus einem Feuerraum, auf dessen Gewölbebögen eine Packung von Feldsteinen die Hitze speicherte. Von den heißen Steinen strömte erhitzte Luft durch Luftkanäle in die darüber liegenden Räume. Es wird vermutet, dass wir den Klöstern die Erfindung dieser Technik verdanken. In wie weit jedoch die Mönche sich dabei die Prinzipien des römischen hypocaustum zu eigen gemacht haben, ist nicht geklärt.

Quellen (bitte klicken)
  • DILLER, Stephan/GENSCHOW, Cäcilia/LINDOW, Annegret: Dominikanerkloster Prenzlau. (DKV-Kunstführer 499). München 22009.
  • HILLEBRAND, Katja: Prenzlau. Dominikaner. Aufbau der Klosteranlage. In: Heimann, Heinz-Dieter/Neitmann, Klaus/Schich, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 981–983.
  • MECKSEPER, Cord: Wärmequellen. In: DEUTSCHE BURGENVEREINIGUNG E.V. (Hrsg.): Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch, Bd. 1 Bauformen und Entwicklung. Stuttgart 1999, S. 295–299.
    SCHULZ, Matthias: Die Entwicklung Prenzlaus vom 10. Jh. bis 1727 (Materialien zur Archäologie in Brandenburg 3). Rahden/Westf. 2010.
  • ZEUNE, Joachim: Burgen. Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg. Regensburg 1996.
  • ZIMMERMANN, Gerd: Ordensleben und Lebensstandard. Die Cura Corporis in den Ordensvorschriften des abendländischen Hochmittelalters. Unveränderter Nachdruck zum 75. Geburtstag herausgegeben von Ulrich Knefelkamp. Berlin 1999. 

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