DAS EHEMALIGE DOMINIKANERKLOSTER PRENZLAU

Die pommersche Stadt in der Uckermark

Prenzlau, heute Kreisstadt der Uckermark mit ca. 20.000 Einwohnern, stand zur Zeit der Gründung des Dominikanerklosters in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bereits unter der Herrschaft der Brandenburgischen Markgrafen. Es war aus einer slawischen und einer späteren pommerschen Burgsiedlung hervorgegangen und entwickelte sich unter den Pommernfürsten zu einem bedeutenden Handelsplatz, der bereits Ende des 12. Jahrhunderts eine Münzstätte besaß und regen Handel u.a. mit Stettin (Szczecin) trieb. 1234 erhielt die Siedlung Magdeburger Stadtrecht und wurde von Herzog Barnim I. zur freien Stadt erklärt. Dies trug unmittelbar dazu bei, dass Prenzlau zu einer der wichtigsten Städte in der Region wurde, die sowohl wirtschaftlich als auch politisch eine führende Rolle spielten. Dies bestätigen auch die zahlreichen Kirchen und Klöster, die ein Zeichen für eine bedeutende Stellung der Stadtgemeinde waren.

Die Stadt der Bettelorden

Als die Dominikaner nach Prenzlau kamen, stand das religiöse Leben in der Stadt in voller Blüte. Es existierten bereits vier Pfarrkirchen. Die älteste Kirche, St. Sabini, liegt vor dem Mitteltor südwestlich der Altstadt, die Stadtkirche St. Marien auf dem Marktplatz. Ein Benediktinerinnen- und ein Franziskanerkloster wirkten ebenfalls im Stadtgebiet.
Sowohl die Franziskaner als auch die Dominikaner werden als „Bettelorden“ bezeichnet, auch wenn diese vereinfachte Benennung nicht dem Wirkungsgrad der beiden Gemeinschaften gerecht wird. Beide Orden lebten meist von Almosen, ließen sich immer in Städten nieder und widmeten sich der Seelsorge. Obwohl ihre Ansätze ähnlich waren, verfolgten sie letztendlich abweichende Ziele, gingen mit unterschiedlichen Methoden vor und hatten verschiedenartige Ambitionen.
Dominikus, der selbst eine hervorragende theologische Ausbildung genossen und als Mitglied des Augustinerordens eine steile Karriere vor sich gehabt hatte, gründete den Dominikanerorden, die Gemeinschaft der Predigerbrüder (Ordo Fratrum Praedicatorum), um mit dem Wort und gut fundierten Predigten den sich rasch ausbreitenden „ketzerischen“ Lehren, wie etwa der Katharer oder der Waldenser, entgegen zu wirken.

Theologen und Inquisitoren

Die Mönche mit ihren weißen Kapuzenkutten und schwarzen Mänteln waren verpflichtet, sich fortlaufend zu bilden. Der Orden prägte daher zweifellos sowohl das geistige, als auch intellektuelle und politische Leben des hohen und späten Mittelalters. Aus seinen Reihen gingen viele berühmte Persönlichkeiten der Zeit, wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Jacobus de Voragine, Bernard Gui und Heinrich von Herford, sowie viele Bischöfe, Kardinäle und einige Päpste hervor.

Nach der Begründung der Inquisition als päpstlicher Behörde 1231 wurde dem Orden von Papst Georg IX. die Kontrolle darüber übertragen. Einerseits sahen die Dominikaner die inquisitorische Tätigkeit nicht als Aufgabe des Ordens an. Viele standen ihr und den angewandten Methoden skeptisch oder sogar ablehnend gegenüber, während die Inquisitoren nicht der Rechtsprechung des Ordens unterstanden und direkt dem Papst verantwortlich waren. Andererseits lässt sich nicht leugnen, dass, neben den Franziskanern, vorrangig die Dominikaner Träger der Ketzer- und der späteren Hexenverfolgungen waren. Dennoch wäre es ein Fehler, den gesamten Orden mit der Inquisition gleichzusetzen und die Tätigkeit der Mönche durch eine Reduktion auf die dunkle Seite ihrer Geschichte zu diskreditieren. Obwohl die märkischen Prozessakten aus den Jahren 1392 bis 1394 im Kloster deponiert wurden, ist nicht bestätigt, ob Prenzlauer Dominikaner als Inquisitoren aktiv tätig waren.

Quellen (bitte klicken)
  • ENDERS, Lieselott: Die Uckermark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs 28). Berlin 22008.
  • LOHTUM, Meinolf: Dominikaner. In: DINZELBACHER, Peter/HOGG, James Lester: Kulturgeschichte der christlichen Orden in Einzeldarstellungen. Stuttgart 1997, S. 117–142.
  • METZGER, Franz/FEUERSTEIN-PRASSER, Karin: Die Geschichte des Ordenslebens. Von den Anfängen bis heute. Freiburg u.a. 2006.
  • NEININGER, Falko: Prenzlau. Dominikaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 978–981.
  • SCHICH, Winfried: Prenzlau von der Stadtwerdung bis zum Ende der Askanierherrschaft (von der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis 1320). In: NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried (Hrsg.): Geschichte der Stadt Prenzlau. Horb am Neckar 2009, S. 27–62.
  • SCHULZ, Matthias: Die Entwicklung Prenzlaus vom 10. Jh. bis 1722 (Materialien zur Archäologie in Brandenburg 3). Rahden/Westf. 2010.

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