LAGE UND UMGEBUNG

Nacheiszeitliche Landschaft, seltene Tiere und Pflanzen

Die historische Lage des Dorfes und des Klosters Neuzelle in der Grenzregion zwischen der Niederlausitz und der Mark Brandenburg, im Land Beeskow-Storkow, trug dazu bei, dass der Ort sich im Laufe der Geschichte unter piastischer, sächsischer, brandenburgischer, böhmischer und preußischer Herrschaft befand. In geographischer Hinsicht liegt Neuzelle am östlichen Rand der Lieberoser Hochfläche, die dort zum Odertal hin malerisch abfällt und zusammen mit der Flussaue eine reizvolle Landschaft bildet.

Westlich von Neuzelle erstreckt sich der Naturpark Schlaubetal, der von den Gewässern der Schlaube, der Oelse, der Demnitz und der Dorche durchzogen wird – alle vier entstanden durch das Schmelzwasser der Weichseleiszeit. Die nacheiszeitliche Landschaft ist sehr vielfältig und überrascht durch Kontraste zwischen ruhigen Seen und reißenden Bächen, weiten Feuchtwiesen und tiefen Schluchten, dichten Mischwäldern mit Kiefern, Buchen- und Traubeneichen sowie moorigen Erlenbrüchen. Die Naturräume sind alle nahezu unberührt und bieten Lebensräume für über 140 Vogel- und 1000 Pflanzenarten. Mehrere Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete wurden ausgewiesen, um die Besonderheiten der Natur zu bewahren. Dreizehn Tier- und Pflanzenarten, darunter zwei Orchideenarten und die Smaragdeidechse, sind in Brandenburg nur noch im Naturpark Schlaubetal anzutreffen.

Südöstlich von Neuzelle erstreckt sich der Landschaftspark Dorchetal, der zum Naturpark Schlaubetal gehört. Das 7km lange Tal der Dorche ist mit Mischwäldern, kleinen Schluchten und Teichen durchzogen und wurde ebenfalls in der letzten Eiszeit geprägt. Der Wasserlauf spielte für die wirtschaftliche Entwicklung des Neuzeller Klosters eine wichtige Rolle. Eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt mit wilden Orchideen, Eisvögeln und Biebern ist hier heimisch.

Die sozialistische Vorzeigestadt

Einen starken und spannenden Kontrast zur umgebenden Natur bietet das nur 8km nördlich von Neuzelle liegende Eisenhüttenstadt. Es entstand 1961 aus der historischen Stadt Fürstenberg an der Oder und der zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alten Trabantensiedlung der Stalin-Eisenhüttenwerke – der Stalinstadt. Als erste "sozialistische Stadt" der DDR sollte sie eine Vorzeigesiedlung der Eisenindustrie und des Staates werden. Ihr Bild prägen zahlreiche neoklassizistische Monumental- und Plattenwohnbauten. Die Hauptachse der Stadt bildet die Lindenstraße – früher Leninallee – vom Zentralen Platz bis zum mächtigen Haupttor der Werke. Die ehemalige Wohnstadt des Hüttenwerks steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Im Schatten der Industrie und der Bauten des 20. Jahrhunderts lebt im Norden von Eisenhüttenstadt immer noch die alte Stadt Fürstenberg mit kleinen Handwerkerhäusern und der spätgotischen Stadtkirche St. Nikolai. Die Ortschaft wurde Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet und gehörte eine geraume Zeit zum Grundbesitz des Klosters Neuzelle. Hier mündet auch der 1891 eröffnete Oder-Spree-Kanal in die Oder. Die 15m Höhenunterschied zum Fluss werden mit einer Zwillingsschleuse überwunden, die heute als technisches Denkmal geschützt ist.

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