Klosteranlage

Langes Bestehen

Das Kloster Neuzelle blieb von seiner Gründung im 13. Jahrhundert bis 1817 in den Händen der Zisterzienser. Unter preußischer Herrschaft wurde es letztendlich aufgehoben. Ernsthafte Bauschäden erlitt die Klosteranlage nur während der Hussiteneinfälle 1429 und 1432 sowie während eine Großbrandes 1892. Sie war zwar im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden besetzt und zeitweilig als Kloster aufgegeben, doch die Bauten überstanden die Zeit. Die Anlage wurde bei der Reformationswelle des 16 Jahrhunderts nicht säkularisiert und erlitt keine gravierenden Schäden im Zweiten Weltkrieg. So können wir heute ein beeindruckendes barockes Bauensemble auf einem Bergsporn über der Oder bewundern.

Ursprünglich gotisch

Der Kern der ursprünglichen Anlage wurde zwischen 1290 und 1330 errichtet. Die Bauarbeiten zogen sich bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts hin. Von 1385 bis 1390 erweiterte man die Kirche und die Klausur.

Heute ist das mittelalterliche Kloster in der Form der vierflügeligen Anlage mit der Kirche im Süden und im Inneren der Klausurbauten zu entdecken. Spätgotische Elemente finden sich noch im Bereich des Klausurerdgeschosses. Im Ostflügel sind das backsteinerne Baudekor und die Kreuzrippengewölbe erhalten, im Nordflügel kann man die Netzrippengewölbe des frühen 16. Jahrhunderts sehen. Auch der spätgotische Kreuzgang überdauerte bis heute.

Nachdem das Kloster wirtschaftliche und politische Krisen des 15. bis 17. Jahrhunderts überwunden hatte, baute man die gesamte Anlage zu einem repräsentativen Barockensemble um. Doch vor allem die Wiederaufbauarbeiten, die nach einem großen Brand in den Jahren von 1894 bis 1897 folgten, beeinflussten die Anlage nachhaltig und veränderten weitgehend ihre ursprüngliche Form.

Die barocke Form

Die ehemalige Klausur und die Kirche, sowie das barocke Amtshaus mit dem "Fürstenflügel" bilden heute den nördlichen Teil des den Stiftsplatz umschließenden Ensembles. Im Westen verläuft ein Arkadengang mit dem Klosterportal – beide von 1736 – und der Stiftskanzlei von 1723. Im südlichen Teil des Stiftplatzes stehen die "Kutschstallgebäude", welche 1806 und 1840 einheitlich umgebaut wurden. Im Osten erstreckt sich der Barocke Klostergarten.

Ganz besonders spiegelt die barocke Klosterkirche die neue Größe und Bedeutung des Klosters im 18. Jahrhundert wider. Die ersten Umbauten der ursprünglich dreischiffigen, spätgotischen Hallenkirche erfolgten im Innenraum bereits im 17. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche neu konzipiert und dementsprechend umgestaltet. In den Jahren 1728 bis 1748 erhielt der Bau u.a. neue Nebenaltäre und einen neuen Altarraum. Die Außenfassade wurde neu gegliedert und den Formen des böhmischen Barocks angepasst.

Wo früher die Pfortenkapelle ihren Platz hatte, wurde in den Jahren 1728 bis 1734 eine zweite Kirche, die „Leutekirche“, errichtet, die höchste Qualität des süddeutsch-böhmischen Barocks aufweist.

Quellen (bitte klicken)
  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder.Kölln 22000.
  • BADSTÜBNER, Ernst: Kloster Neuzelle. Berlin 1995.
  • KÜHN, Angelika: Kloster Neuzelle. In: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 122–128.
  • WITTKOPP, Blandine/SCHUMANN, Dirk: Neuzelle. Zisterzienser. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 930–934.