DAS EHEMALIGE ZISTERZIENSERKLOSTER NEUZELLE

Museum im Kreuzgang

Die Ansicht des Klosters Neuzelle wird heute von der Barockarchitektur des 17. und des 18. Jahrhunderts geprägt. Dabei ist das Kloster in seinen verschiedenen Bauphasen zunächst im Stil der Gotik erbaut und erneuert worden, bis ab 1650 der barocke Umbau erfolgte. Heute eröffnet der Kreuzgang im Klausurgebäude mit seinen Räumlichkeiten immer noch einen beeindruckenden Einblick in die gotische Architektur des Klosters und führt zurück in die mittelalterliche Klosterbaukunst

Nach fast zehnjähriger Bauzeit konnten die Maßnahmen zur Sanierung und Restaurierung des Neuzeller Kreuzganges und der anliegenden Klausurräume 2009 zum Abschluss gebracht werden.

In den Räumlichkeiten ist ein Klostermuseum entstanden. Die bereits 2004 eröffnete Ausstellung "Ora et labora" dokumentiert die Geschichte und die Bedeutung des Klosters In einem zweiten Ausstellungsteil werden unter dem Titel "Auf Leben und Tod" die spannungsreichen Wechselbeziehungen zwischen der Klostergeschichte und dem religiösen und politischen Zeitgeschehen dargestellt. Wertvolle Einzelstücke und Kunstgegenstände aus der Klosterausstattung veranschaulichen die Klostergeschichte.

Abt Martinus Graff

Zu den bedeutendsten Ausstattungsexponaten gehört der Weiheornat von Abt Martinus Graff, der von 1727 bis 1741 dem Kloster Neuzelle vorstand.

Abt Martinus wurde 1678 im Klosterdorf Wellmitz bei Neuzelle geboren und gilt heute als einer der bedeutendsten und bekanntesten Äbte des Klosters. Nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges und einer schwierigen Wiederaufbauphase, führte er das Kloster Neuzelle im 18. Jahrhundert nicht nur zu wirtschaftlicher Blüte, sondern engagierte sich insbesondere auch für die barocke Umgestaltung der Klosteranlage. Drei Tage nach der Weihe des barocken Hochaltars in der Stiftskirche starb Abt Martinus Graff am 27. September 1741.

Wertvolle Seidenstickerei

Sein Weiheornat gehört zu einer Sammlung von liturgischen Gewändern und anderen Textilien für den sakralen Gebrauch, die zum großen Teil im 17. und 18. Jahrhundert in Sachsen oder Böhmen gefertigt wurden. Der Bestand gilt neben den Prunkgewändern in Dresden als größte geschlossene Sammlung sächsischer Seidenstickerei.

Die kostbarste Stickerei besitzt der Ornat von Abt Martinus Graff, den er zur Weihe des barocken Altars in der Neuzeller Stiftskirche St. Marien am 24. September 1741 herstellen ließ. Herkunftsort und Herstellungsdaten des Ornats mit seinen Reliefstickreien mit Seiden- und Metallfäden auf Leinengrund sind bisher nicht bekannt. Elf Teile des Ornats sind erhalten geblieben, darunter das Pluviale (Mantel), Kasel (Obergewand des Priesters), zwei Dalmatiken (Obergewand der Diakone), zwei Stolen (Amtsabzeichen), drei Manipel (Bekleidung der Handgelenke), Bursa (Stofftasche für die Aufnahme der Korporale) und Palla (Schutztuch für den Kelch).

Der neue Glanz

Die Arbeiten zur Restaurierung und Präsentation des Ornats wurden von den Textilrestauratoren vom Atelier Twist in Berlin durchgeführt und durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sowie die Sparkasse Oder-Spree finanziert. Zu den konservatorischen Arbeiten zählten unter anderem die aufwendige Reinigung der Oberflächen mit einem Mikrosauger sowie die umfangreiche nähtechnische Sicherung am Grundgewebe, dem Futter, der Stickerei und den Borten. Besonders wichtig für die dauerhafte Erhaltung des Weiheornats war die Entwicklung eines Präsentationskonzeptes. Neben der Schaffung optimaler Klima- und Lichtbedingungen war hierfür die Anfertigung von individuell angepassten Stützkonstruktionen erforderlich.

Text: Walter Ederer