GESCHICHTE

Schwierige Anfänge und großer Besitz

Die Geschichte des Klosters Neuzelle begann am 12. Oktober 1268. Der Wettiner Heinrich der Erlauchte (1221–1288), Markgraf von Meißen und der Ostmark, bekräftigte mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde seine Absicht, „ein Kloster zu gründen und zu errichten zu Lob und Ehre der glorreichen und unversehrten Jungfrau Maria und in dieses Kloster Mönche des Zisterzienserordens zu berufen.“ Das Kloster sollte den Namen Neuzelle tragen.

Das Haus- und Begräbniskloster der Stifterfamilie Marienzelle bei Nossen wurde beauftragt, die Klostergründung vorzunehmen.

Die Situation des Klosters war nach seiner Gründung 1268 und Besiedlung um 1280 weder günstig, noch einfach. So ist auch der späte Baubeginn im frühen 14. Jahrhundert am heutigen Standort zu erklären. Aber die Markgrafen zogen sich aus der Verantwortung für die Anlage zurück, die Niederlausitz gelangte an die böhmische Krone. Und doch konnten die Zisterzienser bis 1370 einen enormen Besitz zusammentragen, zu dem nicht nur mehrere Dörfer und Wirtschaftshöfe gehörten, sondern auch das Hospital in Beeskow, die Burg Schiedlo (Szydłów) und die kleine Stadt Fürstenberg. Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts verlor das Kloster immer wieder einige seiner Besitztümer, konnte jedoch auch einiges dazu erwerben.

Politisches und kulturelles Wirken

Die Äbte von Neuzelle erfreuten sich offensichtlich eines sehr guten Rufes, denn sie wurden auch von den höchsten Kreisen als Ratgeber oder Schiedsrichter berufen. Einige Konventsmitglieder absolvierten seit 1477 Studien an der Universität Leipzig. Das Kloster selbst war an der Gründung des Zisterzienser-Kollegs an der Alma Mater Viadrina in Frankfurt an der Oder in den Jahren von 1507 bis 1511 beteiligt.

Einen schweren Rückschlag erlitt das Kloster mit der Zerstörung der Anlagen während der Hussitenkriege. Zwei Mal – 1429 und 1432 – fielen die Truppen in das Kloster ein, töteten oder vertrieben seine Bewohner und zerstörten Teile der Bauten. Unter Abt Nikolaus II. von Bomsdorf (1432–1469) wurde das Kloster wieder aufgebaut.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam die wiedergewonnene stabile Situation des Klosters ins Wanken. Es kam zu innenpolitischen Konflikten und zu einer finanziellen Krise, die durch die neue Steuerpolitik des böhmischen Königshauses verursacht wurde. Die unruhigen Zeiten der Reformation trugen ebenfalls dazu bei und veränderten wesentlich die äußeren Umstände. Der Konvent hielt zwar der neuen Lehre stand, doch um 1560 waren die meisten Gebiete um Neuzelle protestantisch.

Die Blütezeit

Das Kloster arrangierte sich mit der Situation und konnte im 17. Jahrhundert wieder Stabilität erlangen. Diese wurde jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg wesentlich erschüttert, so dass man von einer erneuten Blütezeit des Neuzeller Konvents erst im 18. Jahrhundert sprechen kann. Von dem großen Wohlstand zeugen heute noch die barockisierten Klostergebäude. Nachdem die Niederlausitz 1815 unter preußische Herrschaft gekommen war, wurde das Kloster 1817 aufgehoben. Die Anlage und der Besitz wurde dem preußischen Stift Neuzelle übertragen, das als Forst- und Domänenverwaltung bis 1955 bestand. Die Klostergebäude wurden seit 1818 von Bildungseinrichtungen genutzt, 1991 erfolgte die Gründung eines Deutsch-polnischen Gymnasiums. Die beiden Barockkirchen dienen als Pfarrkirchen der Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinde.

1996 wurde erneut eine Stiftung, diesmal vom Land Brandenburg, ins Leben gerufen. Die Stiftung Stift Neuzelle betreut nun die Anlage als historisches Denkmal und Kulturzentrum. Bis zum 750. Gründungsjubiläum im Jahr 2018 soll die Sanierung der Klosteranlage weitgehend abgeschlossen sein.

Quellen (bitte klicken)
  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder.Kölln 22000.
  • BADSTÜBNER, Ernst: Kloster Neuzelle. Berlin 1995.
  • KÜHN, Angelika: Kloster Neuzelle. In: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 122–128.
  • TÖPLER, Winfried: Neuzelle. Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 923–942.
  • TÖPLER, Winfried, Die Zisterzienserabtei Neuzelle in der Niederlausitz, Regensburg 2010
  • EDERER, Walter, SCHUMANN, Dirk, Kloster Neuzelle, Berlin-München 2012

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