Das ideale Kloster

Der Zisterzienserkonvent – darunter der Abt und zwölf Brüder – kam im Juni 1294 nach Marienwalde. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau der 1286 gegründeten Klosteranlage bereits fortgeschritten, so dass die Mönche ihre Arbeit aufnehmen konnten. Zisterzienserklöster lehnten sich in ihrem Aufbau meist an einen Idealplan aus dem 9. Jahrhundert an, der in der Benediktinerabtei St. Gallen entwickelt worden war.

Der Plan sah Gebäude vor, die durch die Anordnung der Räume sowie eine klare und durchdachte Zweckbestimmung den Mönchen ein bequemes – wenn auch nicht luxuriöses – den Ordensregeln entsprechendes Leben, Arbeiten und Beten ermöglichte. Die Zisterzienser passten den Idealplan freilich an ihre Bedürfnisse und ihre Ordensregel an und trennten die Klausur in zwei Bereiche. Einer war ausschließlich für die geweihten Brüder zugänglich, der andere stand den Konversen, den Laienbrüdern, zur Verfügung, welche für den Wirtschaftsbetrieb der Klöster verantwortlich waren.

So verfügte eine Klosteranlage über eine Kirche und den inneren Bereich mit der Klausur. Dort lagen Kreuzgang, Dormitorium (Schlafraum der Mönche), Refektorium (Speisesaal der Gemeinschaft), Kapitelsaal (Versammlungsraum), Bibliothek, aber auch Küche, Wirtschafts-, Vorratsräume und ein Brunnenhaus. Den Klausurbereich erweiterten Wirtschaftgebäude, Werkstätten, Gärten, Ställe, gegebenenfalls eine Brauerei und andere Nebengebäude. In gesonderten Gebäuden waren Gäste des Hauses, Novizen und das Hospital untergebracht. Der Abt verfügte ebenfalls oft über sein eigenes Abtshaus.

Was noch übrig blieb

Stehen von dem Marienwerder Zisterzienserkloster heute nur noch einige wenige Bauten, wie Teile der Kirche und des Ost- und des Südflügels, kann doch der Aufbau der Anlage dank eines Plans von 1792 sowie intensiver archäologischer Ausgrabungen und baugeschichtlicher Untersuchungen nachvollzogen und rekonstruiert werden. So zeigt sich uns eine typische Zisterzienserklosteranlage mit einer Kirche im Norden und dem daran anschließenden, aus drei Flügeln bestehenden Klosterbereich mit einem Kreuzgang und einem Feldsteinbrunnen im Friedgarten.

Die Backsteinanlage, auf einer kleinen Anhöhe über dem Küchensee erbaut, weist bauhistorisch Ähnlichkeiten mit dem Mutterkloster in Kolbatz auf. Viele Bau- und Schmuckelemente zeigen ihren Ursprung in der „Choriner Bauhütte“.

Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Zisterzienser, die in der Ordensregel fest verankert waren und sich in dem Leitspruch „ora et labora“ widerspiegelt, konnten während der archäologischen Arbeiten auf dem Klostergelände nachgewiesen werden. Unterschiedliche Befunde lassen auf eine Wassermühle, Ziegel- und Kalkbrennöfen, eine Schmiedewerkstatt, einen Speicher und möglicherweise sogar eine Brauerei schließen.

Quellen (bitte klicken)
  • BRZUSTOWICZ, Jacek G.: Klasztory cysterskie w Bierzwniku, Pełczycach i Reczu. Choszczno 1995;
  • JARZEWICZ, Jaroslaw: Gotycka Architektura Nowej Marchii. Budownictwo sakralne w okresie Askańczykow i Wittelsbachow. Poznan 2000;
  • PIOTROWSKI, Robert: Kloster Marienwalde – Nemus s. Marie. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 198, S. 152-156;
  • WITTKOPP, Blandine: Marienwalde (Bierzwnik). Zisterzienser. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 871–873;

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