DAS ehemalige Zisterzienserkloster Marienwalde

Silva S. Mariae – der Marienwald

Die Region, in der das Kloster Marienwalde gegründet wurde, war im 13. Jahrhundert von Wäldern und feuchten Wiesen geprägt. Nach dem Bericht der Mönche des Mutterklosters Kolbatz „wimmelte das Wasser dort von kriechendem Gewürm, und die Flüsse füllte eine unzählbare Menge von Fröschen, und vor ihnen war niemand sicher. Da kamen die heiligen Sänger, die Mönche, dorthin und von nun wurden die Flüsse frei von den Fröschen und die Wasserschlangen räumten das Feld.“

Die Beschreibung stellt einerseits im Übertragenen Sinne die aufwendige Arbeit dar, das Gebiet für den Klosterbau vorzubereiten. Andererseits ist sie symbolisch zu lesen. Dass ausgerechnet Frösche und Wasserschlagen – im Christentum negativ belegte Tiere – vor Ort angetroffen wurden, betont, wie wichtig die Ankunft der Mönche war. Nun konnte letztendlich die Klosteranlage auf einer Anhöhe, am Rand des Küchensees gebaut werden. Die Mönche nannten sie Silva S. Mariae – Marienwalde.

Mütter und Töchter

Die Gründung der Zisterze hängt mit der Wiedergutmachung für das Kolbatzer Kloster zusammen, das während der Kämpfe zwischen Pommern und Brandenburgern im späten 13. Jahrhundert zahlreiche Schäden erlitten hatte. Der Konvent stellte sich letztendlich auf die Seite der brandenburgischen Markgrafen und unter ihren Schutz.
1286 bekamen die Brüder eine Landschenkung in der Nähe des „Küchensees“ (jezioro Kuchta), um dort eine Filiale ihres Klosters zu gründen. Die großzügige Unterstützung seitens der Markgrafen war für deren Politik mehr als vorteilhaft. So konnten sie ihre Position in der Neumark festigen und die dünn besiedelten Gebiete wirtschaftlich stärken.
 
Doch auch für den Konvent aus Kolbatz war eine Filiation überaus wichtig. Der Orden der Zisterzienser, der aus der Cluniazensischen Reform hervorgegangen war und seinen Ursprung in der 1098 in Citeaux gegründeten Abtei hatte, verbreitete sich dank des Filiationssystems explosiv in ganz Europa. Das dezentralisierte System, vor allem aber die weiten Entfernungen zwischen den Klöstern und der Zentrale in Frankreich, verlangten nach einem Verwaltungssystem, das es dem Orden erlaubte, weiterhin als Einheit zu erscheinen und zu agieren sowie zudem Kontrolle über die zahlreichen Klostergemeinschaften zu behalten. In der „charta caritatis“, der Ordensverfassung aus dem 12. Jahrhundert, hielt man die Grundlagen des Filiationskonzeptes fest.
Die Tochterklöster waren damit den Mutterklöstern unterstellt. Die Äbte trugen die Verantwortung für die Einhaltung der Ordensregel in den Filiationen, aber auch für die Ausstattung der Neugründungen. Die verwandten Abteien bildeten eine Familie und standen im engen Kontakt und personellen Austausch. Sie unterstützen sich gegenseitig und versuchten den Einfluss der Diözesen auf das klösterliche Leben zu minimieren.
 
Die komplexen Verflechtungen stärkten die Position des Ordens und der einzelnen Klöster in der Region und erlaubten es ihnen, umfangreichen Besitz und große Macht zusammenzutragen.
Quellen (bitte klicken)
  • JARZEWICZ, Jaroslaw: Gotycka Architektura Nowej Marchii. Budownictwo sakralne w okresie Askańczykow i Wittelsbachow. Poznan 2000
  • MAYER-HAAKE, Arne: Die Entstehung des Zisterzienserordens in Burgund. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 11-19
  • PIOTROWSKI, Robert: Kloster Marienwalde – Nemus s. Marie. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 152-156
  • GAHLBECK, Christian: Marienwalde (Bierzwnik). Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 871–873.

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