GESCHICHTE

Kolbatz und seine Tochter Marienwalde

Bereits 1280 erhielten die Zisterzienser in Kolbatz die Zusage, in der Neumark ein Tochterkloster gründen zu dürfen, doch es dauerte noch 14 Jahre, bis der Konvent tatsächlich in Marienwalde einziehen konnte. Die Filiation, die die Markgrafen den Kolbatzer Mönchen versprochen hatten und unterstützten, war ein gut durchdachter Zug ihrerseits. Der Mutterkonvent sollte für die Schäden aus den Pommernkriegen entschädigt und gleichzeitig für die Treue dem markgräflichen Lager gegenüber belohnt werden. Andererseits konnten die Landesherren ihre eigene Macht in dem neuen, infrastrukturell schwachen Gebiet durch eine stabile, ihnen treu ergebene kirchliche Herrschaft und ein starkes wirtschaftliches Zentrum festigen.

Das Kloster erhielt in der Gründungszeit zahlreiche Ländereien auch einheimischen Adels. Diese stellten eine Grundlage für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Konvents dar. Zudem erwiesen sich die Mönche als äußerst zielstrebige Geschäftsleute, die ihren Kernbesitz bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts stetig ausbauten. Der Konvent konzentrierte sich in der Landwirtschaft auf Getreideanbau und Viehzucht. Doch verarbeitete man im Kloster auch Eisen, das wahrscheinlich aus den nahen Raseneisenerzvorkommen stammte.

Krieg und Feuer

Die Blütezeit des Klosters fiel in die askanische Zeit. Nachdem die Brandenburger Askanier zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestorben waren, brach für Marienwalde eine unruhige Zeit an. Das Kloster wurde in die Kriege zwischen den Wittelsbachern, den Pommern und dem Königreich Polen verwickelt. Seine wirtschaftliche Situation gestaltete sich zu dieser Zeit prekär. Einen tragischen Moment erlebten die Mönche 1347, als das Kloster bei einem Brand vollständig zerstört wurde.

Es bedurfte einer neuen Privilegierung seitens des Markgrafen sowie der Unterstützung durch das Mutterkloster, damit die Zisterzienser ihre Tätigkeit in Marienwalde 1352 wieder aufnehmen konnten. Doch schon bald, 1402 wurde die Neumark an den Deutschen Orden verpfändet. Kamen die Zisterzienser mit ihrem neuen Landesherren gut zurecht und übernahmen für ihn sogar diplomatische Funktionen, so litten sie sehr unter den kriegerischen Auseinandersetzungen, die er mit seinen Nachbarn – dem Herzogtum Pommern und dem Königreich Polen – führte.

Unter solchen Bedingungen war es dem Kloster unmöglich, erneut zu einer ökonomischen Kraft zu wachsen. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach der Übernahme der Neumark durch die Hohenzollern, stabilisierte sich die Situation des Klosters wieder. Allerdings war dem Konvent das ruhige Weiterbestehen nicht lange gewährt. Man nimmt an, dass das Kloster um 1539 säkularisiert und der Konvent aufgelöst wurde.

Zerbrochenes Glas

Seit 1546 wurden die Anlage und der klösterliche Landbesitz als markgräfliche Domäne bewirtschaftet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts richtete man hier eine Glasshütte ein, denn alle Voraussetzungen und Rohstoffe für den aufkommenden Wirtschaftszweig waren vor Ort vorhanden. So wurden hier sowohl einfaches Gebrauchsglas, als auch teure emaillierte Gläser hergestellt.

Die Klosteranlage wurde durch zwei Brände 1690 und 1814 stark zerstört. Dazu kamen Schäden während des Zweiten Weltkrieges. Nach 1945 erhielt der Ort seinen neuen Namen – Bierzwnik. Das ehemalige Kloster bestand bis in die 1960er Jahre als Ruine, seit den 1990er Jahren wird es restauriert.

Quellen (bitte klicken)
  • BRZUSTOWICZ, Jacek G.: Klasztory cysterskie w Bierzwniku, Pełczycach i Reczu. Choszczno 1995.
  • PIOTROWSKI, Robert: Kloster Marienwalde – Nemus s. Marie. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 198, S. 152-156.
  • GAHLBECK, Christian: Marienwalde (Bierzwnik). Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 2. Berlin 2007, S. 871–873.