DIE ANLAGE

Die Klosterkirche

Oberflächlich nicht mehr vorhanden, brachten Grabungen Max Neumanns in den 1930er Jahren den Grundriss der im Brand von 1638 verwüsteten und später abgetragenen Klosterkirche und einige Baudetails zu Tage. Der frühgotische Rechtecksaal (37 x 11,5 m) war turmlos und aus Feldsteinquadermauerwerk erbaut. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet, wurde die Kirche, deren Ostgiebel sowie Laibungen der Öffnungen aus Backstein bestand, im späten Mittelalter erneuert. Ein Gewändeportal mit Wülsten und Rundstäben befand sich an der Nordseite. An der Südseite ermöglichte eine Verbindung zum Konventsgebäude den Nonnen den Zugang zur abgetrennten Empore.[1]

Anlage und Nutzung der ehemaligen Klostergebäude

Das sich südlich an die Klosterkirche anschließende Konventsgebäude, dessen Umfassungsmauern aus behauenem Feldstein teilweise noch vorhanden sind, bildete wie üblich den Ostflügel der Klosteranlage. Das Erdgeschoss gliederte sich in drei Teile. Dem an die Kirche anschließenden Kapitelsaal, dem Sitzungssaal der Klostergemeinschaft, folgte nach Süden hin das Parlatorium, der Wohnraum der Nonnen und schließlich der Speisesaal, der sein Licht durch zwei größere Spitzbogenfenster erhielt, die an der Ostseite der Klosterruine heute noch erkennbar sind. Das Dormitorium im Obergeschoss beherbergte 35 Schlafzellen für die Nonnen, welche durch schmale, besonders am Südflügel noch sichtbare Spitzbogenfenster erhellt wurden.[2]

Im südlich vom Konventsgebäude liegenden spätgotischen Bau aus Mischmauerwerk mit Satteldach wird die ehemalige Klosterschule oder ein Gästehaus vermutet. Das daran anschließende Konventualinnenhaus im klassizistischen Stil wurde 1800-1801 erbaut. Ebenfalls nicht mittelalterlich ist das Dominatsgebäude, das 1752 anstelle der seit dem Brand von 1638 einsturzgefährdeten Wohnung der Äbtissin errichtet wurde.[3]

Der Grundriss der Lindower Klosteranlage bildete zu keinem Zeitpunkt das bei vielen Klöstern durch Klosterkirche, Ost-, Süd- und Westflügel gebildete Viereck mit dem innen liegenden Klosterhof und geschlossenem Kreuzgang. Als Frauenkloster musste die Klausur räumlich vom Wirtschaftsbereich, der unter Leitung und Aufsicht des Propstes bzw. Stiftsamtmannes durch männliche Arbeitskräfte bewirtschaftet wurde, getrennt liegen.[4] Wirtschaftshof und Propstei lagen im Südwesten der Klosteranlage. Nach Norden, wo heute der Friedhof der Stiftsdamen liegt, erstreckten sich Klostergarten und -wiese.[5] 

Quellen (bitte klicken)
Quellen

 Quellen:

  • BECKER, Erich: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung in Vergangenheit und Gegenwart. Lindow (Mark) 1929.
  • FROMME, Erich: Aus der Vergangenheit von Stadt und Kloster Lindow. Neuruppin 1884.
  • HERWEG, Frauke: Steinerne Schätze unter der Grasnarbe. Was vom Mittelalter übrig blieb. Studenten setzen Grabungsprojekt in Lindower Kloster fort. In: MAZ. Ruppiner Tageblatt (19.05.2015).
  • HERWEG, Frauke: Jäger der verlorenen Steine. Geschichte in 3D. Studenten rekonstruieren das Lindower Kloster in einem virtuellen Modell. In: MAZ. Ruppiner Tageblatt (26.05.2015).
  • HOCHSIEDER, Jochen/ BOTHE, Sandra: Evangelisches Stift Kloster Lindow ehemaliges Konventgebäude (Klosterruine). Evangelisches Stift Kloster Lindow. Ergebnisse der restauratorischen Untersuchung der Fassade und des Gebäudeinneren, Lindow (Mark) 2012 [http://www.kloster-lindow.de/Bilder/archaeologie/Lindow-Kloster-Konventgebaeude-DOKU.pdf].
  • KUGLER, Annette/ CANTE, Marcus: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried u.a.(Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 2. Berlin 2007, S. 818-827.
  • NEUMANN, Max: Kloster Lindow. Beiträge zu seiner Geschichte und Baugeschichte, Neuruppin 1937.
  • http://www.ruppin-kult-tour.de/files/kloster-lindow.pdf.

Fußnoten:

 

  1. Vgl. KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 821.
  2. Vgl. BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 29. Ausführlich zu den erhaltenen Bereichen des Konventsgebäudes vgl. HOCHSIEDER, Jochen/ BOTHE, Sandra: Evangelisches Stift Kloster Lindow ehemaliges Konventgebäude (Klosterruine). Evangelisches Stift Kloster Lindow. Ergebnisse der restauratorischen Untersuchung der Fassade und des Gebäudeinneren, Lindow (Mark) 2012 [http://www.kloster-lindow.de/Bilder/archaeologie/Lindow-Kloster-Konventgebaeude-DOKU.pdf]. Ausgrabungen von Prof. Dr. Kohlmeyer, HTW Berlin, aus den vergangenen Jahren ergaben, dass ein gepflasterter Weg zeitlich vor dem Bau des Konventsgebäudes vorhanden war. Fundamente des ehemaligen Kreuzganges konnten im Bereich von etwa 10 Metern Länge freigelegt werden. Sie sind etwa kniehoch vorhanden und sehr gut erhalten (vgl. HERWEG, Frauke: Steinerne Schätze unter der Grasnarbe. Was vom Mittelalter übrig blieb. Studenten setzen Grabungsprojekt in Lindower Kloster fort. In: MAZ. Ruppiner Tageblatt [19.05.2015]; DIES.: Jäger der verlorenen Steine. Geschichte in 3D. Studenten rekonstruieren das Lindower Kloster in einem virtuellen Modell. In: MAZ. Ruppiner Tageblatt [26.05.2015]).
  3. Vgl. FROMME:Vergangenheit von Stadt und Kloster Lindow, S. 15; BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 31; KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 821.
  4. BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 30. Das Kloster wurde von außen vom Propst, von innen von der Äbtissin mit einem doppelten Riegel verschlossen (vgl. NEUMANN: Kloster Lindow, S.39).
  5. Vgl. KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 821. In den vergangenen Jahren ist auf der Klosterwiese eine Streuobstwiese angelegt worden. Jeder Besucher kann Äpfel, Birnen und Kirschen ernten. Die Wiese wird zukünftig mit Wildkräutern aus der Lindower Feldflur angelegt und mit Sense gemäht werden. Nach Aussage des Vorsitzenden des evangelischen Klosterstifts Lindow, Prof. Dr. Ing. Borgmann, wird zudem beabsichtigt, mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 2015 beginnend, nach und nach historische Gräber des Klosterfriedhofs zu sanieren.