Das Kloster in vorreformatorischer Zeit

„Unser schönes Gotteshaus ist ganz ruiniret"[1] berichtet ein altes Aktenstück über die Schicksalsstunde des Klosters Lindow, welches im Oktober 1638, während des Dreißigjährigen Krieges, von Kaiserlichen Truppen „in ihrem Religionseifer verheert und abgebrannt" wurde.[2] Neben Kirche und Klausur wurde mit dem umfangreichen Klosterarchiv wahrscheinlich auch die Gründungsurkunde ein Raub der Flammen. So kann nur vermutet werden, dass das Jungfrauenkloster Lindow um 1230 von den Grafen von Arnstein, die sich selbst Grafen von Lindow nannten, gestiftet wurde. Als Gründer gilt Graf Gebhard I. von Altruppin, der das Kloster wahrscheinlich nach Art der Zisterzienser geordnet, jedoch nicht in der Wildnis sondern nahe eines slawischen Fischerdorfes errichten ließ.[3]

Als Hauskloster der Ruppiner Grafen und Erziehungs- und Versorgungsanstalt begüterter Adels- und Bürgertöchter entwickelte sich Lindow durch Stiftungen und Verleihung von Hoheitsrechten bald zu einem der reichsten Klöster des Bistums Havelberg. Im 16. Jahrhundert umfasste der Klosterbesitz neben Lindow 37 Dörfer und wüste Feldmarken, neun Wassermühlen, Seen vom Gudelack- und Wutzsee bis zum Stechlin sowie das Patronat über 20 Pfarrkirchen und versorgte bis zu 38 Konventualinnen, Äbtissin, Propst und die Laieninsassen.[4] Neben dem Grundbesitz, der sich mit 225 km² über ein Viertel des Ruppiner Landes erstreckte, verfügte das Kloster über so beträchtliche Kapitalzuflüsse, dass es geldliche Darlehen geben konnte.[5]

Das Kloster von der Reformation bis heute

1524 ging die Herrschaft Ruppin mit dem Aussterben des Lindower Grafengeschlechts an Joachim I. Kurfürst der Mark über, dessen Sohn und Nachfolger Joachim II. In der Mark Brandenburg die Reformation durchführte.[6] Der Tagesablauf der Nonnen, auch nach dem Übertritt zur evangelischen Lehre 1541 in Gebetszeiten unterteilt, umfasste nun das Abendmahl in beiderlei Gestalt.[7] Die Propstei, Wirtschaftsbereich des Klosters, wurde 1542 in ein kurfürstliches Rentamt umgewandelt und mitsamt den säkularisierten Klostergütern dem Konvent entzogen.[8]  Infolge der hieraus resultierenden verringerten Einkünfte und schlechteren Versorgungslage ging die Zahl der Nonnen, die 1550 noch 16 betrug, immer mehr zurück.

Nach der Zerstörung des Klosters 1638 bemühten sich die Verbliebenen einige Wohnungen notdürftig wieder herzurichten. Die Ruinen von Kirche und Konvent wurden als Baumaterial u.a. für das Schloss Oranienburg und nach Stadtbränden im 17. und 18. Jahrhundert für den Wiederaufbau Lindows verwendet.[9] Der seit 1696 für das ehemalige Kloster geltende Name eines „Adligen Fräuleinstifts" wurde 1875 von der Benennung „Fräuleinstift zu Lindow" abgelöst. Ebenfalls im 19. Jahrhundert wurden auf dem gärtnerisch gestalteten Gelände für die Stiftsdamen, deren Anzahl zeitweilig nur noch vier bis fünf betragen hatte, neue Häuser errichtet. Noch heute bietet das evangelische Stift Wohnungen für Menschen, die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sind. Seit Mitte der 1940er Jahren befindet sich auf dem Areal der Klosteranlage zudem ein evangelisches Seniorenzentrum.[10]

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Quellen

Quellen:

  • BECKER, Erich: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung in Vergangenheit und Gegenwart. Lindow (Mark) 1929.
  • FROMME, Erich: Aus der Vergangenheit von Stadt und Kloster Lindow. Neuruppin 1884.
  • KUGLER, Annette/ CANTE, Marcus: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried u.a.(Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 2. Berlin 2007, S. 818-827.
  • NEUMANN, Max: Kloster Lindow. Beiträge zu seiner Geschichte und Baugeschichte, Neuruppin 1937.
  • http://www.ruppin-kult-tour.de/files/kloster-lindow.pdf.
  • http://www.lafim.de/component/sobipro/?pid=2&sid=64:Evangelisches-Seniorenzentrum-Kloster-Lindow&Itemid=0.

Fußnoten:

  1. Zit. nach FROMME, Erich: Aus der Vergangenheit von Stadt und Kloster Lindow. Neuruppin 1884, S. 15.
  2. Vgl. BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 39.
  3. Vgl. ebd. S. 32; KUGLER, Annette/ CANTE, Marcus: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried u.a.(Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 2. Berlin 2007, S. 818-827, S. 819.
  4. Vgl. NEUMANN, Max: Kloster Lindow. Beiträge zu seiner Geschichte und Baugeschichte, Neuruppin 1937, S.37; BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 8 und 32f.; KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 821.
  5. Vgl. BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 34.
  6. Vgl. ebd. S.35.
  7. Vgl. KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 819. Zu den Klosterstatuten vgl. außerdem BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 38-40.
  8. Vgl. KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 819; BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 250.
  9. Vgl. KUGLER/ CANTE: Lindow. Zisterzienserinnen (?). In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Bd. 2, S. 820.
  10. Vgl. ebd. S. 820.; BECKER: Lindow. Stadt, Kloster und Umgebung, S. 38; http://www.lafim.de/component/sobipro/?pid=2&sid=64:Evangelisches-Seniorenzentrum-Kloster-Lindow&Itemid=0