Die Klosteranlage

Anlage und Nutzung der ehemaligen Klostergebäude

Aus den im 12. Jahrhundert zunächst notdürftig errichteten Gebäuden, zu welchen nach den Ordensregeln der Zisterzienser Betkapelle, Schlafhaus, Speisesaal, Gaststube und Pförtnerhaus gehörten, erwuchsen auf der einen Quadratkilometer großen Grundfläche des Klosterbesitzes in den darauffolgenden Jahrzehnten neben der imposanten Klosterkirche und den Klausurgebäuden des engeren Klosterbereichs ein Wirtschaftshof mit Versorgungsgebäuden für Landwirtschaft, mehrere Nebenkapellen, ein Hospital (Königshaus) und ein Gästehaus (Falkonierhaus).[1] Von einer Mauer eingefriedet wurde die Anlage nach Westen durch einen Turm (Kuhbier) gesichert. Der Zutritt durch die Klosterpforte wurde erschwert, da diese an der zwischen See und Sumpf nur umständlich zu erreichenden Ostseite des Geländes gelegen war.

Die ehemals dreijochig und rippengewölbte Torkapelle am Klostertor ist heute zweigeschossig ausgebaut. Von den Wirtschaftsgebäuden sind u.a. das ehemalige Brauhaus (Elisabethhaus) sowie das Kornhaus erhalten.[2] Unmittelbar an die Kirche schloss sich nach Süden die Klausur mit einem ehemals zweistöckigen Kreuzgang an. Im östlichen Flügel der Klausur, in den 1920er Jahren stark umgebaut und erweitert, befinden sich die wiederhergestellten Räume des Kapitelsaals und der Bibliothek (Armarium). Im Obergeschoss befand sich ursprünglich der Schlafsaal der Mönche (Dormitorium). Vom ehemaligen Konversenflügel im Westen, der den Laienbrüdern vorbehalten war, sind nur die Kellerräume in der originalen Bausubstanz erhalten. In der südlichen Verlängerung stehen noch die Ruinen eines kurfürstlichen Jagdschlosses aus dem 17. Jahrhundert. An der Stelle des Klausursüdflügels, der ehemals die Küche und den Speisesaal der Mönche (Refektorium) beherbergte, steht ein Neubau aus den 1930er Jahren. Wurde der Klausurhof ursprünglich an allen vier Seiten vom Kreuzgang umgeben, so ist heute nur der Ostflügel als Rekonstruktion aus den 1920er Jahren zu sehen. Der schön bepflanzte Klausurhof ist auch heute wieder ein belebender Ort der Ruhe.

Die Klosterkirche

Die dreischiffige Pfeilerbasilika, die auf Grund der langen Bauphase (Baubeginn 1190 mit dem Ostteil; Fertigstellung 1270 mit der Westfassade) sowohl spätromanische als auch frühgotische Formen aufweist, gehört zu den bedeutendsten Backsteinbauten der Mark Brandenburg.[3] Als typischer Kirchenbau eines Zisterzienser-Klosters wurde die Lehniner Kirche in Kreuzform errichtet und besitzt statt des Kirchturms einen Dachreiter über der Kreuzung von Längs- und Querschiff.[4] Dem Joch in dieser Vierung sind nach Westen im Hauptschiff fünf Joche, in den Nebenschiffen nördlich und südlich zehn Nebenjoche zugeordnet. Die bauliche Gesamtkonzeption der Klosterkirche ist entscheidend vom Repräsentationswillen der askanischen Stifterfamilie geprägt. Imposant wirkt der Kontrast der backsteinernen Säuleneinfassungen, Arkaden und Simse zu den heute schlicht weißen, in der späteren Klosterzeit bunt bemalten Wänden und Gewölbedecken. Sind die Kreuzgewölbe der Vierung und des Quer- und Längsschiffs durch Rippen mit einem zusätzlichen Mittelgrat und seitlicher Stufung reich profiliert, wirkt das Gewölbe über dem Altarraum mit den doppelten Wulstrippen schlichter. Hier, wo sich nach Osten an die Kreuzung der Chor mit der halbrunden Apsis anschließt bildet der erhöhte Altar das optische und sakrale Zentrum des Kirchenraumes.[5]
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Fußnoten:

  1. Entsprechend den Ausführungen Warnatschs scheint die Identifizierung des nach König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen sogenannten Königshauses aus dem 14. Jahrhundert als Lehniner Hospital überzeugend. Andere Überlegungen deuten das Gebäude als „Neues Abthaus“; vgl. WARNATSCH: Lehnin. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH [Hrsg.]: Brandenburgisches Klosterbuch, Bd. 2, S. 786f. Die Nutzung des benachbarten und ebenfalls mit einer blendengegliederten Südfassade ausgestatteten Falkonierhauses aus dem 15. Jahrhundert als Gästehaus bleibt ohne Nachweis; vgl. ebd.
  2. Das schlichte Backsteingebäude mit seinen vermauerten Spitzarkaden bildet das Mittelstück eines ehemals dreiteiligen Baus, dessen Kornboden im Obergeschoss man auf Grund des Geländeanstiegs zur Klosterkirche hin früher ebenerdig erreichen konnte; vgl. ebd.
  3. Da der Kirchenbau in nachmittelalterlicher Zeit einschneidende Veränderungen erfuhr und Ende des 19. Jahrhunderts nach zeitgenössischen Vorstellungen – teilweise aus altem Baumaterial – neu errichtet wurde, fällt die Unterscheidung von originaler und neoromanischer Bausubstanz nicht eben leicht. Ausführlich zur Architektur der Klosteranlage vgl. WARNATSCH: Lehnin. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch, Bd. 2, S. 783-789; mit reicher Bebilderung ebenfalls NYGA: Lehnin, S.17-52.
  4. Der Dachreiter ist über eine Holztreppe oberhalb der Sakristei zu erreichen, aber nicht öffentlich zugänglich. Hier befindet sich der Glockenstuhl mit den zwei Glocken, deren eine die Inschrift trägt: „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort“ (Jeremia 22.29); vgl. NYGA: Lehnin, S. 18 und 26.
  5. Das ursprüngliche, künstlerisch bedeutende Altarretabel („Lehniner Altar“) von 1518, eine Maria mit Kind im Strahlenkranz flankiert von Petrus und Paulus u.a. darstellend, wurde nach der Auflösung des Klosters ins Domstift nach Berlin verbracht und befindet sich seit 1552 im Brandenburger Dom, wo es seit 1723 als Hochaltar dient. Den heutigen Marienaltar, eine spätgotische Schnitzarbeit, erhielt Lehnin gewissermaßen als Ersatz 1948 vom Brandenburger Dom (vgl. NYGA: Lehnin, S. 19; WARNATSCH: Lehnin. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH [Hrsg.]: Brandenburgisches Klosterbuch, Bd. 2, S. 787).

Quellen:

  • NYGA, Werner: Lehnin. Ein historischer Ort in der Mark Brandenburg. Lübeck 1995.
  • ROSSTOCK, Albert: Kloster Lehnin in Geschichte und Sage. Görlitz 1911.
  • WARNATSCH, Stefan: Lehnin. Zisterzienser. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 2, Berlin 2007, S. 764-803.