Das ehemalige Zisterzienserkloster Lehnin

Von Seen umgeben

„Kloster Lehnin ist seit einer Reihe von Jahren als Sommeraufenthalt für zahlreiche Familien, besonders aus Berlin in Aufnahme gekommen. Die anmutige Lage an Wald und Wasser rechtfertigt seinen Ruf als einer idyllisch schönen und gesunden Kinderstube Berlins“, warb 1911 Albert Rosstock und der Verkehrs-Verein Lehnin schrieb in seinem Kloster-Führer: „Kloster Lehnin liegt 17 km südöstlich von Brandenburg, 22 km südlich von Potsdam. Für Radler, Auto- und Fuhrwerksbesitzer führen vorzügliche Chausseen über Werder durch herrliche Wälder nach Lehnin. Zu dauernder Niederlassung sind für Rentner, Pensionäre und Leidende alle Bedingungen eines durchaus angenehmen, beschaulichen Lebens gegeben.“[1]
 
Eingebettet in eine von Kiefernwäldern umstandene Talsenke bietet das Kloster Lehnin seinen Besuchern auch heute noch Entschleunigung und Erholung vor malerischer Kulisse. Besonders reizvoll sind die zahlreichen Seen in der unmittelbaren Umgebung von Lehnin. Insbesondere der südwestlich gelegene Golitzsee, in dem einst das Dorf Golitz versunken sein soll. Das Glockengeläut der untergegangenen Golitzer Kirche soll auch heute noch in manch klarer Vollmondnacht in Lehnin zu hören sein. So berichtet die Sage.[2]

Von Sagen umwoben

Schlösser, / Kirchlein, das im Schatten ruht? || Weiß und staubig sind die Wege, / Trocken sind die Ackerschläge / Ringsum Sand und nichts als Sand. || Reich und stattlich Dorf und Stadt, / Auf den Feldern Erntesegen, / Zucht und Ordnung allerwegen / Und die Menschen alle satt. || Wer mir das Geheimnis weiß: / Wie aus dürren Boden haben / Sie den reichen Schatz gegraben? / Wohl die Antwort heißt: mit Fleiß!“[3]
 
Auch Theodor Fontane wies in seinen Wanderberichten über das Havelland darauf hin, dass das, was zu Wiese und Garten geworden, vor 700 Jahren ein eichenbestandener Sumpf war. „Und inmitten dieses Sumpfes wuchs Kloster Lehnin auf, im Einklang mit jenem Ordensgesetz aus der ersten strengen Zeit.“[4] Abgeschlossen von der Welt lebten Ende des 12. Jahrhunderts die Zisterziensermönche, die sich auf Geheiß Ottos I. im Gebiet des heutigen Lehnin niederließen. Der Ordensmaxime „ora et labora“ entsprechend sahen sie ihre Aufgaben im Gebet und der Erschließung und Urbarmachung der aus der Weichseleiszeit hervorgegangenen Grund- und Endmoränenlandschaft. Die reichen Obstgärten um Werder (Havel) haben ihren Ursprung in dieser Bodenkultivierung.[5]
 
Nach der Sage und der Geschichtsschreibung durch Przybyk Pulkawa von Hradenin erfolgte die Gründung des Klosters an diesem Ort, weil Markgraf Otto, auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt und ermüdet in den Schatten einer Eiche niedergesunken, von einer Hirschkuh träumte, die er nur mit Hilfe der Jungfrau Maria besiegen konnte. Erwacht und gerettet befahl er die Gründung eines Marienklosters, dass den Namen Lenyn von slawisch lanye, Hirschkuh, erhielt.[6]
Quellen (bitte klicken)
Fußnoten
  1. ROSSTOCK, Albert: Kloster Lehnin in Geschichte und Sage. Görlitz 1911, S. 7; VERKEHRS-VEREIN LEHNIN (Hrsg.): Führer durch Kloster Lehnin und Umgebung. Lehnin 1908, S. 7.
  2. Nachweisen ließen sich jedoch nur Reste einer germanischen Siedlung an der Westseite des Golitzsees (vgl. NYGA, Werner: Lehnin. Ein historischer Ort in der Mark Brandenburg. Lübeck 1995, S. 60).
  3. PLOTHOW, Anna: An den Wanderer. In: Märkische Skizzen. Berlin 1900. Zit. in: Verkehrs-Verein Lehnin (Hrsg.): Lehnin und Umgebung, S. 3.
  4. FONTANE, Theodor: Havelland. Wanderungen durch die Mark Brandenburg III. In: ders.: Sämtliche Werke. Bd. 1-25. München 1959-1975. Bd. 11, S. 42.
  5. NYGA: Lehnin, S. 4.
  6. Přibík Pulkava von Radenín, auch Pulkawa von Tradenin, tschechisch Přibík Pulkava z Radenína war ein böhmischer Chronist, der im 14. Jahrhundert am Hofe Karls IV. wirkte. Fontane übersetzt die Passage aus der Chronik des Geschichtsschreibers wie folgt: „Otto I., der Sohn Albrechts des Bären, jagte einen Tag lang in den dichten Waldrevieren der Zauche, und warf sich endlich müd und matt an eben der Stelle nieder, wo später Kloster Lehnin erbaut wurde. Er schlief ein und hatte eine Vision. Er sah im Traum eine Hirschkuh, die ihn ohne Unterlaß belästigte. Endlich ergriff er Bogen und Pfeil und schoß sie nieder. Als er erwachte und seinen Traum erzählte, drangen die Seinen in ihn, daß er an dieser Stelle eine Burg gegen die heidnischen Slawen errichten solle; – die andrängende, immer lästiger werdende Hirschkuh erschien ihnen als ein Sinnbild des Heidentums, das in diesen Wäldern und Sümpfen allerdings noch eine Stätte hatte. Der Markgraf erwiderte: 'Eine Burg werde ich gründen, aber eine Burg, von der aus unsere teuflischen Widersacher durch die Stimmen geistlicher Männer weit fortgescheucht werden sollen, eine Burg, in der ich ruhig den Jüngsten Tag erwarten will.' Und sofort schickte er zum Abt des Zisterzienserklosters Sittichenbach, im Mansfeldischen, und ließ ihn bitten, daß er Brüder aus seinem Konvente, zur Gründung eines neuen Klosters senden möchte. Die Brüder kamen. Markgraf Otto aber gab dem Kloster den Namen Lehnin, denn Lanye heißt Hirschkuh im Slawischen“ (FONTANE: Havelland, S.43). Vgl. ROSSTOCK: Kloster Lehnin, S.11.
Quellen:
  • FONTANE, Theodor: Havelland. Wanderungen durch die Mark Brandenburg III. In: ders.: Sämtliche Werke. Bd. 1-25. München 1959-1975. Bd. 11.
  • NYGA, Werner: Lehnin. Ein historischer Ort in der Mark Brandenburg. Lübeck 1995.
  • ROSSTOCK, Albert: Kloster Lehnin in Geschichte und Sage. Görlitz 1911.
  • VERKEHRS-VEREIN LEHNIN (Hrsg.): Führer durch Kloster Lehnin und Umgebung. Lehnin 1908.
  • http://www.klosterlehnin.de
  • http://www.diakonissenhaus.de/menu/zentrum-kloster-lehnin