KLOSTERANLAGE

Anlage und Nutzung der ehemaligen Klostergebäude

Wo im Nordwesten von Kyritz heute die Gartenstraße verläuft, begrenzten früher die Wallanlagen die Stadt und das Franziskanerkloster. Das erhaltene zweistöckige Klausurgebäude beherbergte einst das Refektorium, den Kapitelsaal und das Dormitorium des Konvents. Bauhistorische Untersuchungen in den 1990er Jahren offenbarten vier mittelalterliche Bauphasen. Der aus Feldstein errichtete Anfangsbau wurde noch vor 1300 mit Ziegelsteinen weitergeführt und um 1350 beträchtlich aufgestockt. Um 1450, zur Zeit als Matthias Döring Franziskaner-Provinzial war, wurde das Klausurgebäude nach Norden verlängert.[1] Ein Gewerkhaus und eine Gerbkammer gehörten zu den Wirtschaftsgebäuden des Klosters.[2] Die Reste der südlichen Pforte an der Rückseite der Klosterkirche lassen auf einen zweigeschossigen Kreuzgang schließen.[3] Vom Westflügel der Klausur sind allein die Ruinen eines kleinen mit Diagonalstrebepfeilern besetzten zweigeschossigen Baus erhalten, in dessen auf einem Kreuzgewölbe ruhendem Obergeschoss eine Tür nach Osten in die Apsis der Klosterkirche führte.[4]

Klosterkirche

Ähnlich den Klausurflügeln wurde auch die einschiffige, turmlose Konventskirche im Süden der Klausur zunächst in Feldstein begonnen, um in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gewölbt zu werden und ihren bis heute sichtbaren Backsteinteil zu erhalten.[5] Der in annähernd ganzer Höhe nur als südliche Giebelwand des Klausurgebäudes erhaltene Teil der nördlichen Längswand der Klosterkirche maß einstmals 50 m und reichte bis in den heutigen Straßenraum der Johann-Sebastian-Bach-Straße.[6] Paul Eichenholz rekonstruiert in seiner Beschreibung einen hochgotischen Kirchenbau von knappster Einfachheit, dessen Wandflächen bis zum Kämpfer aus verputzten Feldsteinmauerwerk bestanden, über dem sich putzfreier Backstein erhob, an den Kapitellen zierlich mit Weinblättern geschmückt. Auf diesen setzten die für die Gotik typischen Spitzbögen auf, deren Rippen mit birnenförmigem Profil verziert waren. Durch die bunte Bleiverglasung der Rundfenster fiel farbiges Licht ins Innere.[7] Der eine Marienkrönung zeigende dreiflügelige Hauptaltar, an dessen Fuße ehedem der Grabstein Matthias Dörings lag, war 1753 noch vorhanden.[8] Das reiche Kirchen­inventar dagegen, war bereits kurz nach der Aufhebung des Klosters vom Kyritzer Rat beschlagnahmt worden und ist ebenso verloren wie das Archiv und die Bibliothek des Klosters.[9]

In der erhaltenen Längswand der ehemaligen Klosterkirche sind mehrere zugesetzte Öffnungen verschiedener Form sichtbar, von denen die im Erdgeschoss liegenden deshalb sehr niedrig erscheinen, weil man den Boden über die Jahrhunderte um etwa einen Meter aufgefüllt hat. Die Spitzbogentür auf der rechten Seite führte in das Erdgeschoss des anstoßenden Dormitoriums, womöglich in die Sakristei. Die mittig über Resten von Balken und einer Schwelle in Höhe des Obergeschosses liegende Tür führte in den Schlafsaal der Mönche. Die linksseitig liegenden Öffnungen gehörten zu den beiden Geschossen des nebenliegenden Kreuzganges, dessen Schildbogenansätze auf der Nordseite der Kirchenwand noch heute zu sehen sind.[10]

Quellen (bitte klicken)
  1. Vgl. EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): Kunstdenkmäler, S. 135f.; Weigel, Kyritz,In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 709)
  2. Vgl. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 709
  3. Die Jocheinteilung zeigt, dass sieben schmale Joche an den Enden von je zwei breiten eingeschlossen waren. Eichenholz hält es jedoch für fraglich, ob man hieraus auf zwei anschließende nordsüdlich verlaufende Hallen von zwei Joch Tiefe schließen darf; EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): Kunstdenkmäler, S. 141.
  4. Vgl. ebd.
  5. Vgl. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S.709f.
  6. Vgl. EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): Kunstdenkmäler, S. 137. Die Fundamente der Kirche wurden beim Pflastern der Straße gefunden. Eichenholz schlussfolgert aus der Richtung der kurzen Ansätze der Diagonalrippen an der heute freiliegenden Innenwand der Klosterkirche auf eine Breite des Gebäudes von etwa 10 m; vgl. ebd.
  7. Vgl. EICHENHOLZ: Kyritz. In: BÜTTNER (Hrsg.): Kunstdenkmäler, S.138. Archäologische Funde deuten auf eine bunte Bleiverglasung der Rundfenster; vgl. WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 710.
  8. Vgl. BEKMANN, Johann C.: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern, Natürlichen Beschaffenheit [etc.]. Bd. 2 Berlin 1753  (= Nachdr. Hildesheim 2004), S. 159.
  9. 1549 beschwerten sich vier Franziskaner wegen der Beschlagnahme des Kircheninventars, darunter zwei Kelche, fünf Pacificale, ein goldenes Kreuz, ein Salvator, andres Silber und zwei Kristallgefäße; vgl.  WEIGEL: Franziskaner. In: HEIMANN/NEITMANN/SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 710.

 

Quellen:

 

  • BEKMANN, Johann C.: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg nach ihrem Ursprung, Einwohnern, Natürlichen Beschaffenheit [etc.]. Bd. 2 Berlin 1753  (= Nachdr. Hildesheim 2004)
  • EICHENHOLZ, Paul: Kyritz. In: BÜTTNER, Georg (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Ostprignitz. Berlin 1907, S. 124-146.
  • WEIGEL, Petra: Kyritz. Franziskaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 707- S.713.
  • WENTZ, Gottfried: Das Franziskanermönchskloster Kyritz, in: Ders.: Das Bistum Havelberg. Der Germania Sacra 2. Im Auftrag des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Deutsche Geschichte. Leipzig 1933 (= Neudr. 1963), S. 344-348.