Das ehemalige Franziskanerkloster Kyritz

Entwaffnende Natur

Pregyncia, „ungangbares Waldgebiet“, nannten die Wenden die Landschaft, inmitten derer im 10. Jahrhundert Kyritz entstand.[1] Im Nordwesten Brandenburgs, auf halbem Wege zwischen Hamburg und Berlin gelegen, zeichnet sich die Prignitz heute als Kulturlandschaft mit gut erschlossenen Rad- und Wanderwegen aus. Neben dem Elberadweg, dem beliebtesten Fernrad­weg Deutschlands und der landesweiten Tour Brandenburg, existieren mit der Gänsetour, der Bischofstour und der Dosse-Städte-Tour mehrere regionale Routen.[2] Die Dosse-Städte-Tour ist Teilstrecke der Tour 2 der Radrouten „Historische Stadtkerne des Landes Brandenburg“, die vom ADFC mit vier Sternen ausgezeichnet wurde. Wanderer auf den Spuren des mittelalterlichen Pilgerwegs Berlin-Wilsnack gelangen auf der fünften Etappe von Wusterhausen kommend in die Hansestadt Kyritz. An der etwa 20 Kilometer langen Kyritzer Seenkette mit der Untersee-Insel, zwei Strandbädern, mehreren Badestellen, Bootsverleih und Fahrgastschifffahrt finden Schwimmer, Segler, Angler, Radfahrer und Wanderer beste Bedingungen für sportliche Betätigung, Erholung und wunderbare Naturbeobachtungen. Im Herbst und Winter rasten tausende Zugvögel in den Prignitzer Elbauen, die seit 1999 zum UNESCO-Biosphärenreservats „Flusslandschaft Elbe“ gehören. Bekannt und geschätzt als eine der storchenreichsten Gegenden Europas nistet Meister Adebar in vielen historischen Stadtkernen in der Prignitz, die mit ihren Burgen, Schlössern und Klöstern von der bewegten Geschichte der Vormark erzählen.[3]

Entwaffnete Raubritter

Dazu gehörten auch, historisch nicht gesichert, aber bis heute mit einem mittelalterlichen Festspiel vergnüglich und sehenswert gefeiert, die fehlgeschlagenen Eroberungsversuche des Ritters Kurt von Bassewitz, der 1381 und 1411 die reiche Handels- und Hansestadt Kyritz bestürmte.[4] Neben dem Bassewitztag, der jedes Jahr am Montag nach Invokavit (dem 6. Sonntag vor Ostern) mit einem Festgottesdienst begangen wird, feiern die Kyritzer mit der „Langen Nacht des Bassewitz“ jedes zweite Jahr im Spätsommer ein Freiluftspektakel, dass bei freiem Eintritt ein ganzes Wochenende lang ein buntes Mittelalterprogramm mit Gottesdienst, Bassewitz-Szenen der Kyritzer Knattermimen, Ritterspielen für Kinder und einem Mittelaltermarkt bietet. Dem Verein „Kyritzer Knattermimen“ e.V. ist es auch zu verdanken, dass der Jahrzehnte lang verwilderte Garten des ehemaligen Franziskanerklosters – eines der ältesten Bauwerke der Stadt – seit 1996 in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Kyritz entrümpelt und zwischen gotischen Mauerresten eine Kleinkunstbühne eingerichtet werden konnte, die mit ihrem wildromantischen Ambiente im weiten Umkreis ihres gleichen sucht.[5]

Quellen (bitte klicken)
  1. Die Stiftungsurkunde des Bistums Havelberg verzeichnete den Ort Kyritz 948 erstmals, da er zum bischöflichen Sprengel gehörte; vgl. EICHENHOLZ, Paul: Kyritz. In: BÜTTNER, Georg (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Ostprignitz. Berlin 1907, S. 124-146, S. 125.
  2. Zur Prignitz allgemein vgl. FALKENHAUSEN, Elisabeth v.: Die Prignitz entdecken. Natur und Kultur einer Region. Berlin 52013 sowie die entsprechenden Onlineportale. Detaillierte Tourempfehlungen durch die Prignitz im Stationsbuch www.dieprignitz.de/fileadmin/user_upload/PDF_Uploads/Stationsbuch_innen.pdf
  3. Als besonderes „Storchenparadies“ gilt das Städtchen Rühstädt; vgl. http://www.reiseland-brandenburg.de/reiseziele/prignitz.html.
  4. Theodor Fontane berichtet in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg, dass 1381 ein von Bassewitz Kyritz bestürmte, die gut bewehrten Stadtmauer, die heute das Kyritzer Stadtwappen ziert, jedoch nicht überwinden konnte. Auf Grund ihrer strategisch günstigen Lage an der Handelsstraße Berlin-Hamburg sowie einem weitverzweigten Gewässernetz war Kyritz, seit 1359 Mitglied der Hanse, zu Ansehen und Wohlstand gelangt. Der Raubritter Kurt von Bassewitz, Nachkomme des 30 Jahre zuvor gescheiterten, unternahm darum 1411 einen weiteren Versuch die Stadt zu erobern. Er grub einen Tunnel, dessen Bau bereits weit fortgeschritten war, als ein Gefangener im Stadtturm ein Hämmern und Klopfen vernahm und den Bürgermeister in Kenntnis setze. Als Bassewitz auf offenem Marktplatz zutage stieg sah er sich von wütenden Kyritzer Bürgern umstanden, die ihn auf der Stelle gefangen setzten und mit dem eigenen Schwert enthaupteten. Der Sträfling, der die rettende Warnung gegeben hatte, wurde begnadigt. „Schwert und Panzer aber befinden sich bis diesen Tag im Rathause, während die Stadt selbst alljährlich am Montage nach Invokavit ihr doppeltes Bassewitzfest feiert“ (FONTANE, Theodor: Spreeland. Wanderungen durch die Mark Brandenburg IV. In: ders.: Sämtliche Werke. Bd. 1-25. München 1959-1975. Bd. 13, S. 397). Das Schwert ist auch heute noch im Rathaus von Kyritz zu besichtigen; vgl. OEFELEIN, Rainer: Brandenburg. Auf den Spuren des mittelalterlichen Pilgerweges Berlin-Wilsnack. Welver 2006, S. 65f.
  5. Vgl. www.kyritzer-knattermimen.de. Historische Aufnahmen vom Bassewitzfest und umfangreiche Informationen zum Kyritzer Gelehrten Matthias Döring bietet die Seite des Kyritzer Knattermimen Eckhard Kutzer: http://www.eckhardkutzer.de/46001.html.

Quellen: