KLOSTERANLAGE

Vom Konvent bis zur Textilfabrik

Die ehemalige Klosteranlage der Augustiner in Chojna (Königsberg in der Neumark) wurde in den Jahren 1959 bis 1965 wiederaufgebaut und ist heute – wenn auch nicht im Originalzustand – zum größten Teil präsent. Die Kirche im Norden, ein Süd-, ein Ost- (von dem heute nur Fragmente der Ostwand erhalten sind) und ein Westflügel mit einer Kapelle sowie der Klausurhof, umschlossen von einem Kreuzgang, bildeten den Kern des Klosters. Hinzu kamen noch Wirtschaftsgebäude und das sogenannte Neue Haus aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Der Kapitelsaal verfügt über beeindruckendes Sterngewölbe. An die Südwand der Kirche lehnt sich eine Kapelle an, die ebenfalls mit einem sehenswerten Sterngewölbe ausgestattet ist. Beachtenswert sind ebenfalls die Gewölbe des Kreuzgangs.

Ursprünglich konzentrierte sich das Leben der Mönche im ältesten Teil der Klausur, dem Südflügel. Später, nach dem Ausbau der Anlage, richtete man hier den Wirtschaftstrakt ein. Nach der Reformation dienten die Konventsbauten unterschiedlichen Zwecken, u.a. als Getreidelager. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war hier ein Hospital, danach zog eine Textilfabrik in die Gebäude ein. Schließlich wurden sie 1928 in Privatwohnungen umgewandelt. In dieser Zeit war die gesamte Anlage baulich nicht mehr im besten Zustand. Der Zweite Weltkrieg brachte ihre völlige Zerstörung.

Wieder eine Kirche

Dem Zweiten Weltkrieg fiel auch die Klosterkirche zum Opfer. Das wiedererrichtete Backsteingebäude ist einschiffig und siebenjochig und von außen sehr schlicht und schmucklos gehalten. Doch viele bauliche Elemente sind auf die Choriner Bauhütte zurückzuführen und finden ihre Entsprechungen in zahlreichen Klöstern, die ebenfalls mit dieser bauhistorisch in Verbindung stehen, wie die Dominikanerklöster in Brandenburg an der Havel und Prenzlau, das Franziskanerkloster in Angermünde, das Zisterzienserkloster Marienwalde und natürlich Chorin selbst.

 

Fast die gesamte Innenausstattung wurde seit der Reformation aus der Kirche entfernt. Noch im 16. Jahrhundert sonderte man die sechs Nebenaltäre aus. 1820 wurden die Bilder und die Holzkunstwerke verkauft. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Bau bereits als Garnisonkirche und Lazarett gedient. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden das Gewölbe und die Strebepfeiler abgetragen. Zuletzt lagerte man im Innern der Kirche Kohl und trieb Sport. Die Ruinen gingen 1957 samt der Konventsanlage an die polnische katholische Kirche über, die in den Wiederaufbau investierte. In den 1960er Jahren kehrte die Klosterkirche zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurück und dient nun als Pfarrkirche, während die Konventsflügel die Pfarrei beherbergen.

Quellen (bitte klicken)
  • JARZEWICZ, Jarosław: Gotycka Architektura Nowej Marchii. Budownictwo sakralne w okresie Askańczyków i Wittelsbachów. Poznań 2000.
  • WERNICKE, Michael: Königsberg/Neumark (Chojna). Augustiner-Eremiten. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 676–686.