Das ehemalige Augustinerkloster Königsberg in der Neumark

Einsiedler in einer Gemeinschaft

Eremiten sind Einsiedler, Menschen, die sich für ein Leben in Abgeschiedenheit entschieden haben. Im Kontext des Christentums waren Eremiten die ersten Mönche, die ein gottgeweihtes Leben außerhalb der Gesellschaft wählten.

Die Mönche des jüngsten der vier Bettelorden, der Augustiner, trugen auch den Namen Augustiner-Eremiten, der Missverständnisse bezüglich ihrer Lebensweise entstehen lässt. Er bezieht sich jedoch nicht auf die Ordensregel, sondern geht aus der Entstehungsgeschichte des Ordens hervor. Dieser gründete sich nämlich 1256 als Zusammenschluss mehrerer italienischer Eremitorien, deren Mitglieder nun eine Gemeinschaft bildeten und die Regel des hl. Augustinus (354–450) befolgten.

Die Augustiner richteten ihre Konvente in ganz Europa ein, auch wenn die Intensität der Ausbreitung nie an die der Dominikaner oder der Franziskaner heranreichte. Der Orden war ähnlich organisiert wie der dominikanische und übernahm Seelsorge und Predigt in den Städten. Bereits 1290 kamen die Mönche nach Königsberg in der Neumark, um dort nach dem Armutsideal und dem Evangelium zu leben und den Stadtbewohnern zu dienen.

Gekaufte Vergebung

Auffällig bei der Königsberger Gründung und an ihrer frühen Geschichte sind die zahlreichen Ablassbriefe, die das Kloster von den Bischöfen und Erzbischöfen erhielt und die uns, im Vergleich zu anderen das Kloster betreffenden Dokumenten, in großer Anzahl überliefert sind.

Diese wurden üblicherweise zum Zweckeiner Geldsammlung an Kirchen oderKlöster vergeben. An bestimmten Feiertagen waren diese berechtigt, ihren Gläubige neinen Ablass zu gewähren. Dabe ihandelte es sich um den Erlass der Buß- und Sündenstrafen, das heißt sowohl der zuleistenden Buße in diesem Leben, als auch der zu erwartenden Strafe im Jenseits. Damit eng verbunden war der Glaube an das Fegefeuer – den Ort, an dem die Sünden nach dem Tod gebüßt werden müssen. So war es auch üblich, sich um Ablässe für bereits verstorbene Familienmitglieder zu kümmern, um ihnen die Qualen im Jenseits zu verkürzen. Die Ablässe wurden für eine bestimmte Tages- oder Jahreszahl gewährt, doch gab es auch den vollkommenen Ablass, der die Reinigung im Fegefeuer restlos aufhob.

Für die seelsorgerische Praxis bedankten sich die Kirchenbesucher mit Vergütungen, die vom Ablassgeber für Bauvorhaben oder für den Unterhalt verwendet werden konnten.

Bei dem Königsberger Augustinerkloster waren die Ablassbriefe vermutlich als eine Art Starthilfe gedacht, die dem jungen Konvent die Etablierung in der Stadt erleichtern sollte. Den ersten Ablassbrief erhielt das Kloster bereits 1290 von Erzbischof Rudolf von Salzburg und Bischof Conrad von Lavant. Er bezog sich auf das Marienfest, den Weihetag der Klosterkirche und die Festtage des hl. Augustinus. Kam jemand an diesen Tagen in die Kirche und spendete zu ihren Gunsten, konnte er mit einem achtzigtägigen Ablass rechnen – demselben sollte sich die Länge seiner zu erwartenden Strafe um 80 Tage verkürzen. Weitere Ablassbriefe für das Kloster folgten erneut 1290, 1291, 1338, 1340 und 1342.

Die Praxis der Ablasserteilung führte jedoch im Allgemeinen zu Missbrauch und zum weit verbreiteten Ablasshandel. Beide Seiten – die Gläubigen und die Kirche – sahen darin ein gutes Geschäft. So war es möglich, auch bei einem sündigen und ausschweifenden Lebenswandel sich für eine entsprechende Geldsumme einen Straferlass zu erkaufen. Für die kirchlichen Institutionen war es wiederum eine ertragreiche Einkommensquelle.

Der Ablasshandel war oft Gegenstand scharfer Kritik aus Kirchenkreisen, aber auch seitens weltlicher Autoritäten. Letztendlich wurde er zu einem der Auslöser für die Reformation und Anlass für Martin Luther, der selbst ein Mönch des Augustiner-Eremiter-Ordens war, seine 95 Thesen zu verfassen.

Quellen (bitte klicken)
  • HÖDL, L.: Ablaß. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. I, Sp. 43–46.
  • LE GOFF, Jacque: Die Geburt des Fegefeuers. Stuttgart 1984.
  • WERNICKE, Michael: Königsberg/Neumark (Chojna). Augustiner-Eremiten. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 676–686.