Geschichte

Der jüngste der Bettelorden

Der Orden der Augustiner-Eremiten entstand Mitte des 13. Jahrhunderts in Italien. Seine Ausbreitung in Europa ging nicht so schnell und flächendeckend, wie die der älteren Bettelorden, der Franziskaner und Dominikaner, vonstatten. Selten gab es im Mittelalter in den kleineren Städten, vor allem in den östlichen Regionen, Platz für mehrere Einrichtungen dieser Art. So konnten die Augustiner lediglich auf noch freie Gegenden und Ortschaften ausweichen. Die Fundation des Augustinerkonvents in Königsberg 1290 geschah kurz nach der Ordensgründung, doch blieb sie eine der wenigen Ausnahmen in Brandenburg. Außer dem Konvent finden wir noch in Lippehne (Lipiany), Friedeberg (Strzelce Krajeńskie), Landsberg an der Warthe (Gorzów Wielkopolski) und in Gartz an der Oder Niederlassungen des Ordens.

Mit der Gründung in Königsberg hängen mehrere Vergaben von bischöflichen und erzbischöflichen Ablassbriefen zusammen. Diese stellten für das Kloster eine Einkunftsgarantie dar, denn ein Ablassversprechen zog größere Zahlen Gläubigen an. Ansonsten bezogen die Mönche den Lebensunterhalt aus ihrer seelsorgerischen Tätigkeit und aus beträchtlichen Spenden und Schenkungen, aber auch aus Grundbesitz, der nach dem Prinzip der Rentenwirtschaft verwaltet wurde. Dem Kloster gehörten zudem mehrere Wirtschaftshöfe im Umkreis.

Die Klosteranlage wurde am östlichen Stadtrand noch innerhalb der Stadtmauern errichtet und bestand ursprünglich aus der Kirche und dem Südflügel. Als Weihedatum der Kirche ist das Jahr 1388 überliefert. Die relativ späte Datierung bezieht sich möglicherweise auf eine erneute Weihe, die mit umfangreichen Umbauarbeiten verbunden war. Die Kirche war mit einem Hauptaltar und sechs Nebenaltären ausgestattet, die alle über einen eigenen Ablassbrief verfügten.

Nachdem die Mönche weggegangen waren

1536 leerte sich das Kloster, vermutlich im Zusammenhang mit der sich ausbreitenden Reformation, die zwei Jahre später in der Neumark eingeführt wurde. Doch noch bei der offiziellen Aufhebung 1539 lebten zwei Augustiner in der Anlage. Ihnen wurden Bleiberecht und Unterhalt zugesichert. Die Gebäude und der Besitz gingen an den Markgrafen Hans von Küstrin über, der sie als Gutsanlage an seinen Hofrat Albrecht Malsow verlieh. 1557 wurde das Kloster der Stadt vermacht. Seit dem folgte eine sehr differenzierte Nutzung der Anlage als Kirche, Exerzierhaus, Speicher, Hospital und Turnhalle. Die Innenausstattung der Kirche wurde Stück für Stück entfernt oder verkauft. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Anlage stark zerstört und in den 1960er Jahren von der katholischen Kirche wieder aufgebaut. Heute ist Klosterkirche als Pfarrkirche öffentlich zugänglich. Im Klosterflügel befindet sich das Pfarrhaus.

Quellen (bitte klicken)
  • WERNICKE, Michael: Königsberg/Neumark (Chojna). Augustiner-Eremiten. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 676–686.

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