Die Klosteranlage

Anlage und Nutzung der ehemaligen Klostergebäude

Neben der Klosterkirche und dem überformten zweischiffigen Refektorium, dem Speisesaal der Mönche, sind vor der ehemaligen Klosteranlage Dobrilugk heute nur noch Reste der Bausubstanz des Abthauses im Keller des Westflügels und im Erdgeschoss des Nordflügels von Schloss Dobrilug erhalten. Das Abthaus lag im Südosten der sich südlich an die Klosterkirche anschließenden Klausurgebäude. Vom Ostflügel, der eigentlichen Klausur, blieb nach dem Brand 1852 nur die an das Querschiff der Klosterkirche angelehnte kreuzgratgewölbte Sakristei erhalten, an die sich der Kapitelsaal und die Arbeitsräume der Mönche anschlossen. Zunächst das Auditorium, Ort für Hand- und Schreibarbeiten, gefolgt von einem Durchgang zum Klosterhospital (Infirmarium), einem weiteren allgemeinen Arbeitsraum (Camera), an den sich der Karzer (Arestzelle) und das Kalefactorium, die Wärmestube der Mönche, anschlossen. Auch im Konversenflügel im Westen der Anlage folgte die Raumaufteilung dem Prinzip, profan genutzte Räumlichkeiten möglichst weit von der Kirche entfernt einzurichten. Der Westflügel gliederte sich von Norden nach Süden in den Tagesraum und den Speisesaal der Konversen, gefolgt von Lagerräumen (Cellarium), einer eigenen Schreibstube und der Küche. Bei archäologische Ausgrabungen konnten im Jahr 2000 Reste des 1670 abgerissenen Kreuzganges mit einer Breite von 4 m ermittelt werden.[1]

Die Klosterkirche

Neben Lehnin und Altzella ist die Klosterkirche St. Marien eine der frühesten gewölbten Zisterzienserbauten im heutigen Land Brandenburg. Die kreuzförmige Pfeilerbasilika wurde aus Backstein errichtet und umfasst ein fünfjochiges Langhaus mit ausgeschiedener Vierung und einen annähernd quadratischen Chor mit kaum eingezogener Apsis.[2] Während die Gliederung der halbkreisförmigen Hauptapsis mit ihren drei Rundbogenfenstern am Außenbau typische romanische Formen in der Gesims- und Frieszone und im Inneren eine Gestaltung mit Halbsäulen und Würfelkapitellen aufweist, sind die Fenster des Langhauses barock verändert.[3] Von den barocken Einbauten sind die Orgelempore von 1670 und die in den 1670er Jahren im südlichen Kreuzarm eingebrachte Fürstenloge erhalten.
 
Die farbige Ausmalung, die Verglasung und das Chorgestühl in frühbarockem bzw. Renaissancestil entstanden dagegen erst im Rahmen der Kirchenrestaurierung 1905 nach Entwürfen von Carl Weber.[4] Während der Restaurierungsarbeiten wurden Reste des romanischen Schmuckfußbodens und die Fundamente der einstmals nördlich und südlich angefügten Nebenchöre wiederentdeckt mit deren Abriss 1622 eine Besonderheit der Zisterziensischen Architektur verloren ging, vor allem, weil die Chöre vermutlich doppelstöckig waren.[5]
 
Mit dem Abschluss der Sanierungarbeiten 1909 erhielt St. Marien ihre heutige liturgische Ausstattung; neben Orgel, Kanzel und Taufe, vor allem den ursprünglich aus der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Senftenberg stammenden Hauptaltar (Mitte 18. Jahrhundert), den Passionsaltar mit der Darstellung der Geißelung in der Sakristei sowie die Schnitzfigur der Mondsichelmadonna (Ende 15. Jahrhundert). Im nördlichen Querschiff sind Epitaphe und Grabdenkmäler des 17. und 18. Jahrhunderts zu besichtigen.[6]
 
Quellen (bitte klicken)
Fußnoten:
  1. Vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 432; LEHMANN: ältere Geschichte, S. 111f.
  2. Schrage gibt die Maße mit Länge ca. 64 m; Mittelschiff ca. 8,2 m breit und 18,6m hoch an; SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S.431.
  3. Vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 15.
  4. 1906-08 entstand auch kursächsische Doppelwappen des Gründers der Schlosskirche, Herzog Christian I. am Apsisbogen; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 15f.
  5. Vgl. ebd. S. 14; SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 432. Der heute vor allem im Chor sichtbare Fußboden ist Resultat von Neuverlegung originaler romanischer und wohl nachgebrannter Schmucksteine; vgl. ebd., S. 433.
  6. Vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S.432f. Das große Doppeldenkmal des Erbauers des ersten Schlosses Heinrich von Gersdorff (+1557) und seiner Frau Mechelt (+1554) wird nicht in St. Marien sondern in der Gersdorfschen Gruft in der Kirchhainer Stadtkirche aufbewahrt; SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S.16.
Quellen:
  • LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917.
  • SCHRAGE, Gertraud E.: Dobrilugk. Zisterzienser, In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 425-442.
  • SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000.

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