Das ehemalige Zisterzienserkloster Dobrilugk

Umgeben von der Heidelandschaft

Im Südwesten Brandenburgs, in den Niederungen der Kleinen Elster, wurden 1950 die eigenständigen Ortschaften Doberlug und Kirchhain zu einer Doppelstadt vereint. Kirchhain hatte sich über die Jahrhunderte seit dem Mittelalter von einem Klosterdorf zu einer Gerberstadt entwickelt und präsentiert sich heute mit seiner Stadtkirche, dem Marktplatz mit Renaissance-Rathaus und dem einzigen Weißgerber-Museum Deutschlands. Die Klosterkirche Sankt-Marien, das Schloss und die barocke, Planstadt des südlichen Stadtteils Doberlug bieten Besuchern Baukunst von der Romanik bis zum Barock.[1]
 
Der Name „Doberlug“ hat seinen Ursprung im sorbischen Dobry Ług und bedeutet „gutes Wiesenland“.[2] Eine Bezeichnung die für eine Stadt in der Niederlausitz, deren Heidelandschaft sich Ende August in ein purpurnes Blütenmeer verwandelt, nicht passender gewählt sein könnte. Es sind Calluna-Heiden, die sich durch eine 30jährige militärische Nutzung herausgebildet haben und für den heutigen Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft namensgebend waren. Wo früher Panzer rollten helfen heute zünftig gekleidete Schäfer mit ihren Heidschnuckenherden das Zuwachsen der Heide zu verhindern, die Lebensraum zahlreicher seltener Vogelarten ist. Auf Kremserfahrten und Radtouren lässt sich in der Niederlausitz aber nicht nur gutes Wiesenland erkunden. Blaubeerreiche Wälder, romantische Streuobstwiesen und sagenhafte Moorlandschaften bereichern ebenso die Landschaft wie die in rekultivierten Tagebaurestlöchern entstandenen Naherholungsgebiete und der „Kleine Spreewald“ am Zusammenfluss der Schwarzen und der Kleinen Elster.[3]
 

Umgeben von der Heidelandschaft

Der Name Dobraluh wurde erstmals in der Chronik des Thietmar von Merseburg im Zusammenhang mit dem Heerzug Heinrichs II. im 11. Jahrhundert erwähnt.[4] Er bezeichnete jedoch keine Siedlung, sondern eine großräumige Lichtung in den unermesslichen Wäldern, auf welcher ein guter Übergang durch die Niederungen der Kleinen Elster möglich war. Diesen Ort wählte der Wettiner Dietrich von Landsberg, Markgraf der Ostmark, für eine Niederlassung der Zisterziensermönche, die sich Mitte des 12. Jahrhunderts hier ansiedelten. Tradiert wird der 01. Mai 1165 als Gründungsdatum.[5] Zwar fehlt eine Gründungsurkunde, ein lyrisches Zeugnis aus der Gründungsphase des Klosters ist der Nachwelt jedoch erhalten geblieben.
 
Der mittelalterliche Minnesänger Walther von der Vogelweide, im Winter 1210 zur Untätigkeit gezwungen und aufs Strohlager geworfen, wünschte sich in einem Vokalspiel den Sommer herbei und die Arbeit an frischer Luft: „Durch mein Liegen bin ich träge geworden wie eine Sau. Mein glattes Haar ist mir struppig geworden. Lieber Sommer, wo bist du? Wahrhaftig, lieber sähe ich Feldbestellung. Ehe ich in solcher Falle lange eingeklemmt sein möchte wie jetzt, würde ich lieber Mönch in Dobrilugk.“[6]
Quellen (bitte klicken)

Fußnoten:

  1. Vgl. SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000, S. 1; http://www.doberlug-kirchhain.de/seite/176917/idealstadt-doberlug.html.
  2. Vgl. KÖRNER, Siegfried: Ortsnamenbuch der Niederlausitz. Berlin 1993, S. 141.
  3. Zum Naturpark Niederlausitzer vgl. http://www.naturpark-nlh.de; http://www.reiseland-brandenburg.de/themen/natur/nationale-naturlandschaften/naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft.html; http://www.elbe-elster-land.de/de/land-natur/natur-erleben/artikel-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft.html. Einen einführenden Vorabeindruck und eine Übersichtskarte bietet das Faltblatt des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft: http://naturpark-nlh.de/fileadmin/Naturpark_Niederlausitz/photos/Downloads/Basisfaltblatt_NPNLH_2010.pdf .
  4. MERSEBURGENSIS, Thietmar: Die Chronik des Thietmar von Merseburg. Nach der Übersetzung von J. C. M. LAURENT, J. STREBITZ und W. WATTENBACH. Neu übertragen und bearbeitet und von Robert HOLTZMANN. Halle 2007, S. 130 [Buch VI, 22.].
  5. LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917, S. 14f.; SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 1.
  6. Im Original: „Ich bin verlegen als ein sû:/ mîn slehn hâr ist mit worden rû./ süezer sumer, wâ bist dû? Jâ saehe ich gerner veltgebû./ Ê deich lange in selher drû/ beklemmet waere als ich bin nû, ich wurde ê münch ze Toberlû“ (VOGELWEIDE, Walther von der: Vokalspiel [1210]. In: ders.: Die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Urtext mit Prosaübersetzung von Hans BÖHM. Berlin 1964, S. 120-126, Zitat S.122f.).

Quellen:

  • KÖRNER, Siegfried: Ortsnamenbuch der Niederlausitz. Berlin 1993.
  • LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917.
  • MERSEBURGENSIS, Thietmar: Die Chronik des Thietmar von Merseburg. Nach der Übersetzung von J. C. M. Laurent, J. Strebitzki und W. Wattenbach. Neu übertragen und bearbeitet und von Robert Holtzmann. Halle 2007.
  • SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000.
  • VOGELWEIDE, Walther von der: Die Gedichte Walthers von der Vogelweide. Urtext mit Prosaübersetzung von Hans BÖHM. Berlin 1964.
  • http://www.doberlug-kirchhain.de
  • http://www.naturpark-nlh.de/
  • http://www.elbe-elster-land.de/de/land-natur/natur-erleben/artikel-naturpark-niederlausitzer-heidelandschaft.html
  • http://www.klosterkirchengemeinden-doberlug.de

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