GESCHICHTE

Das Kloster in vorreformatorischer Zeit

Es ist kein romantisiertes Bild des mittelalterlichen Klosterlebens, wenn von der Vogelweide das Mönchsdasein in Dobrilugk dem harten Winter und einem Lager von Stroh vorzieht. Die Zisterzienser, die 1165 aus Volkerode in Thüringen nach Dobrilugk aufbrachen, um hier die älteste Zisterze im heutigen Land Brandenburg zu gründen, fanden ein sumpfiges und von zahlreichen Bächen durchzogenes Gebiet vor, das sie in den folgenden Jahrzehnten in entbehrungsreicher Arbeit urbar zu machen begannen.[1] Mit ihnen kamen deutsche Siedler aus dem Westen, die gemeinsam mit sorbischen Bauern Dörfer im Umkreis des Klosters gründeten.
 
Nachdem die Slaweneinfälle der Jahre 1178-1180 eine kontinuierliche Bau- und Siedlungstätigkeit verzögert hatten,[2] entstanden seit 1184 neben den Arbeiten an der Klosterkirche und der Klausur ein Viehhof, die Klostermühle und weitere Wirtschaftsgebäude, darunter Back- und Brauhaus, Stutenhof, Fischerstube und Schmiede, Gärten und Schäfereien. Vorkommen von Ziegelerde begünstigten die Errichtung von Backsteingebäuden, sodass bereits 1209, im Jahr der Beisetzung der Markgräfin Elisabeth von Meißen, Apsis und Teile des Kirchenschiffes fertiggestellt gewesen sein müssen.[3]
 
Großzügige Stiftungen mehrten den Besitz des Klosters,[4] zu dem im 13. Jahrhundert 18 Dörfer, zahlreiche Mühlen, ein Weinberg und die Hälfte der Markgrafenheide südöstlich des Klostergebiets gehörten. Die klösterliche Eigenwirtschaft sowie die Verlehnung von Klosterdörfern ermöglichten es den Mönchen, ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts umfangreiche Zins- und Geldgeschäfte zu betreiben.[5] Nichtsdestotrotz blieb das Leben rau und das Kloster zahlreichen Bedrängungen ausgesetzt: 1318 beteiligte sich der Abt Ulrich von Dobrilugk an der Ermordung des Burggrafen Hermann von Golßen. Zwischen 1404 und 1410 wurde das Klostergebiet durch Gefolgsleute der Quitzows heimgesucht und verwüstet. 1528 überfiel Nickel von Minckwitz das Klostergebiet und richtete erheblichen Schaden an.[6] Er war der erste Vorbote der nahenden Reformation.

Das Kloster seit der Reformation bis Heute

Im August 1541 ließ der protestantische Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen das zum katholischen Böhmen gehörende Kloster besetzen und sorgte für die Aufhebung des Konvents im darauffolgenden Jahr.[7]
1551 gelangten die Herren von Gersdorf in den Besitz des verpfändeten Klosters. Während ihnen die Konventsgebäude als Viehstall und Gefängnis dienten,[8] begannen sie das südöstlich von Klausur und Kirche gelegene Abthaus zu einem kleinen Wasserschloss im Renaissance-Stil umzubauen, welches aber erst 1676 unter der Herrschaft Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg fertiggestellt werden konnte.[9]
 
Unter seiner Regentschaft wurde 1673-1676 auch die im Schmalkaldischen Krieg 1546 geplünderte und im 30jährigen Krieg erheblich zerstörte Klosterkirche zur Hof- und Schlosskirche umgebaut und 1676 neu geweiht. Nachdem Kurfürst Johann Georg I. die Herrschaft Dobrilugk 1624 in ein Amt umwandelte dienten die Klostergebäude Verwaltungszwecken. Ein Brand im November 1852 zerstörte schließlich die Anlage, nur das Refektorium im Südflügel und die Kirche blieben vom Feuer verschont.[10] 1945 fungierte das Schloss als Unterkunft sowjetischer Truppen und Flüchtlinge. 1956-1989 nutzte die Nationale Volksarmee das Schloss als Kaserne und das ehemalige Refektorium als Kulturhaus. Auf dem Gelände entstanden Garagen, Werkstätten, Lagergebäude und Sozialeinrichtungen, die seit 1996 ebenso mühsam abgetragen werden mussten wie die Betonschicht über Park- und Rasenflächen.[11]
 
Während der Förderverein Schloß Doberlug e.V. sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung für notwendige Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen stark machte, in deren Rahmen 1997-1999 der Schlosshof neu gepflastert und die Räume des Schlosses und des Refektoriums für Ausstellungen und Veranstaltungen hergerichtet werden konnten,[12] hält in der Klosterkirche St. Marien die Gemeinschaft der Evangelischen Zisterzienser-Erben in Deutschland das geistliche Erbe der Zisterzienser wach.[13] 1905-1909 tiefgreifend restauriert und seit Mitte der 1990er Jahre unter Begleitung von Restauratoren und Archäologen nochmals grundsaniert, dient sie der evangelischen Kirchengemeinde des Ortsteils Doberlug als Gotteshaus.[14]
 
Quellen (bitte klicken)
Fußnoten:
  1. Vgl. LEHMANN: ältere Geschichte, S.21, S. 70 und S. 74f.; SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 4.
  2. Vgl. LEHMANN: ältere Geschichte, S. 17; SCHRAGE, Gertraud E.: Dobrilugk. Zisterzienser, In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1 Berlin 2007, S. 425-442.
  3. Diese Annahme basiert auf der Tatsache, dass weltliche Personen nicht im Chor bestattet werden durften. Vgl. LEHMANN: ältere Geschichte, S. 94 und S. 110; SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 429 und S. 431.
  4. Stiftungen dienten nicht nur dem materiellen, sondern auch dem leiblichen Wohl des Konvents. Während im Klosteralltag der Genuss von Fleisch, Fett, fremde Gewürze – vor allem Pfeffer – verboten war, aber auch Fisch, Eier, Milch und Käse nicht auf die Speisekarte gehörten, konnten Stiftungen den Mönchen sogenannte Pitanzien, also Extraspeisen, verschaffen. So bestimmte Otto IV. von Ileburg 1297 u.a., dass nach seinem Ableben sein Todestag jährlich mit einem bonum servitium gefeiert werden solle, das aus Wein, Met oder Luckauer Bier, Dreikornbrot, frischer Butter, Eiern und Fischen bestand. Vgl. Urkunde Otto des IV. von Ileburg [23.07.1297]. In: LEHMANN, Rudolf (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Dobrilugk und seiner Besitzungen. Leipzig/ Dresden 1941, Nr. 91, S. 82f.; LEHMANN: ältere Geschichte, S. 104-106.
  5. Ausführlich zum Klosterbesitz und der Wirtschaftsordnung vgl. LEHMANN: ältere Geschichte, S. 27-35 und S. 61-96) Ebd. auch ein Verzeichnis der Dobrilugker Mönche und Äbte von 1202-1368 (ebd. S. 97-102). Schrage führt Belege an, dass Dobrilugk selbst in Zeiten der Regression erfolgreiche Geschäfte abschloss. Erst Geldforderungen König Ferdinands, der 1534 zur Unterstützung seiner Türkenabwehr die damals ungeheure Summe von 4.300 Rheinischen Goldgulden vom Dobrilugker Konvent forderte, der dazu eine Reihe von Dörfern verpfänden und bei verschiedenen Personen Kredite aufnehmen musste, stürzten Dobrilugk in Finanzkrise; vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 426 und S. 429; LEHMANN: ältere Geschichte, S. 39f.
  6. Vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 425f. Wegen der unsicherer politischen Lage floh Abt Heinrich Monch 1534 aus Dobrilugk und nahm neben zwei dutzend Pferden auch Rüstungen und wertvolle Kleinodien mit (u.a. eine silberne mit Perlen und Edelsteinen besetzte Monstranz, zwei große silberne Siegel der Abtei, eine große Petschaft, einen silbervergoldeten Bischofsstab, fünf Ringe, eine vergoldete Schale, zwei vergoldete Kelche mit Patenen und einige Heiligenstatuen (vgl. ebd., S. 433).
  7. Nach langwierigen Verhandlungen ging der säkularisierte und zur Herrschaft Dobrilugk erhobene Klosterbesitz, zu dem im Jahr 1542 29 Ortschaften gehörten, an Böhmen zurück; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 4.
  8. Vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 427. Die Kapelle in der sich ursprünglich die Grablege der Herren von Köckeritz befand wurde als Hundezwinger genutzt. Auch einige Wettiner wurden in Dobrilugk bestattet, von deren Gräbern heute ebenso nichts mehr erhalten ist (ebd. S. 431 und S. 433) In den Räumlichkeiten, die Mitte des 15. Jahrhunderts die Klosterbibliothek mit einer bedeutenden Sammlung von Schriften beherbergten, befanden sich bereits 1551 keine Bücher mehr. Sie wurden in eine Getreidekammer umgewandelt (ebd. S. 435). Der Friedhof des Klosters, an der Nordseite der Kirche gelegen, wurde zeitgleich mit Bauarbeiten am Schloss zum Lustgarten mit Orangerie und Gewächshaus umgestaltet (SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 13).
  9. Zur 125jährigen Baugeschichte des Schlosses vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 4-6. Eine ausführliche Baubeschreibung der kastellartigen vierflügeligen Schlossanlage ebd. S. 7-10.
  10. Durch die Selbstentzündung von Torfvorräten brannten der Mönchs- und Konversenflügel ab. Nur das Refektorium und die Klosterkirche konnten gerettet werden; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 15. Nach dem Brand wurden die Reste des Ost- und Westflügels zur Steingewinnung abgetragen. Auch die Fundamente wurden weitgehend ausgeräumt; vgl. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 427 und S. 432.
  11. Insgesamt wurden 5000 t Beton und Mauerwerk abgebrochen und recycelt; vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 20.
  12. Vgl. SCHULZ: Doberlug-Kirchhain, S. 21. Im Sommer 2014 findet in Schloss Doberlug unter dem Titel „Wo Preußen Sachsen küsst. Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft“ die erste Brandenburgische Landesaustellung statt: http://www.brandenburgische-landesausstellung.de/Ausstellung.html .
  13. Regelmäßige Jahrestreffen, so 2000 in Doberlug, fördern die Zusammenarbeit von evangelischen Kirchengemeinden, Klöstern, Konventen und Kommunitäten an Zisterzienserkirchen in ganz Deutschland. Im Jahr 2015 findet das 23. Jahrestreffen in Doberlug statt; vgl. http://www.evangelische-zisterzienser-erben.de .
  14. SCHRAGE: Zisterzienser. In: HEIMANN/ NEITMANN/ SCHICH (Hrsg.): Klosterbuch, Bd. 1, S. 432.
Quellen:
  • LEHMANN, Rudolf: Die ältere Geschichte des Cisterzienserklosters Dobrilugk in der Lausitz. Kirchhain 1917.
  • LEHMANN, Rudolf (Hrsg.): Urkundenbuch des Klosters Dobrilugk und seiner Besitzungen. Leipzig/ Dresden 1941.
  • SCHRAGE, Gertraud E.: Dobrilugk. Zisterzienser, Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/ NEITMANN, Klaus/ SCHICH, Winfried u.a.(Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Bd. 1. Berlin 2007, S. 425-442.
  • SCHULZ, Horst: Schlösser und Gärten in der Mark. Doberlug-Kirchhain. Berlin 2000.
  • http://www.evangelische-zisterzienser-erben.de.
  • http://www.brandenburgische-landesausstellung.de/Ausstellung.html .

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