Die Klosteranlage

Ein prächtiger Backsteinbau

Die Ruine der Zisterzienserabtei Chorin ist eines der wichtigsten Denkmäler der norddeutschen Backsteingotik. Der prächtige Bau verbindet einen Höhepunkt mittelalterlicher Architekturgeschichte mit einer spannenden Forschungsgeschichte. Bauforschungen, archäologische Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten fanden hier seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts immer wieder statt.

Die Anlage, die um 1300, nach der Verlegung des Konvents von Mariensee an den Hang des westlichen Ufers des Amtssees errichtet wurde, war von Anfang an nicht nur als Zisterzienserkloster, sondern auch als repräsentativer Bau – das Hauskloster und Grablege der brandenburgischen Askanier – konzipiert. Im Norden, auf der höchsten Erhebung fand die Kirche ihren Platz. Die dreiflügelige Klausuranlage erstreckte sich nach Süden. An den Ostflügel stoß an der Südecke das Infirmarium – Krankenflügel für Mönche und Konversen. Obwohl nicht mehr alle Bauten erhalten sind, lässt die Anlage heute noch ihre einstige Bedeutung erkennen.

Die Klosterkirche war eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Kreuzrippenwölbung, einem Querschiff und fünfseitigem Chorpolygon, die spätromanische Formen mit modernen Ansätzen der Backsteingotik vereinigte. Eine Besonderheit bildet die Westfassade der Kirche mit drei Maßwerkfenstern, zwei Treppentürmen – gekrönt von achtseitigen Pyramidendächern – und einer Rosette, sowie das aufwendige und vielfältige Backsteindekor, das sich auch in den erhaltenen Bauten des Ost- und Westflügels findet.

Leben im Kloster

Die Funktion der Räumlichkeiten der beiden noch stehenden Teile kann heute, nicht zuletzt dank intensiver archäologischer Arbeiten, gut nachvollzogen werden. Und so konnte man im Ostflügel Sakristei, Bibliothek, Parlatorium (Gesprächsraum), Brüdersaal und Kapitelsaal sowie Dormitorium im Obergeschoss nachweisen. Im Westflügel befanden sich zudem die Küche, das Refektorium der Laienbrüder und deren Dormitorium im Obergeschoss, sowie der sogenannte Fürstensaal. Von Westen her erfolgte auch der Zugang zur Anlage mit dem architektonisch hochqualitativen Pfortenhaus.

Als Selbstversorger benötigten Zisterzienserklöster eine große Anzahl von Wirtschaftsgebäuden, von denen in Chorin einige bis heute überdauert haben, während andere anhand von archäologischen Grabungen nachgewiesen werden konnten. Das Kloster verfügte über eine direkt vor den Mauern gelegene Mühle und ein an den Westflügel der Klausur angelehntes Brauhaus. Der Wirtschaftshof sowie die Klosterbauten waren von einer Mauer umschlossen.

Einige der Klausurräume, wie das Infirmarium (Krankensaal) oder der Brüdersaal, waren mit Warmluftheizungen, einer mittelalterlichen Form der Zentralheizung, ausgestattet. An den abgetragenen Südflügel, das Refektorium der Mönche, schloss das Kalefaktorium – die Wärmestube – an, die vermutlich ebenfalls durch eine Warmluftanlage beheizt wurde. Ein ausgeklügeltes System von Wasser- und Abwasserkanälen ermöglichte eine unproblematische Wasserversorgung für alle Zwecke.

Das bereits erwähnte aufwendige Backsteindekor, aber auch die sich wiederholenden Baudetails machten die Anlage zu einem programmatisch einheitlichen Bauensemble, das im Gesamteindruck das Sinnbild einer Stadt – des himmlischen Jerusalems – zu vermitteln vermochte.

Quellen (bitte klicken)
  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2000.
  • RAUE, Jan: Architekturfarbigkeit des Backsteinbaus. Eine vergleichende Studie an Stadt- und Klosterkirchen in der Mark Brandenburg. Worms 2007.
  • SCHMOLL gen. EISENWERTH, Joseph Adolf: Das Kloster Chorin und die askanische Architektur in der Mark Brandenburg 1260–1320. Berlin 1961.
  • SCHUMANN, Dirk: Mauerwerk und Dekor. Die ornamentale Aufwertung der märkischen Architektur um 1300. In: BADSTÜBNER, Ernst/SCHUMANN, Dirk (Hrsg.): Licht und Farbe in der mittelalterlichen Backsteinarchitektur des südlichen Ostseeraums. Berlin 2005, S. 326–347.
  • WITTKOPP, Blandine/SCHUMANN, Dirk/WAGNER, Stefanie: Chorin. Zisterzienser. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 341–348.