Klosteranlage

Ein Kloster am Rande der Stadt

Die Angermünder Franziskaner errichteten ihre Klosteranlage im südöstlichen Teil der mittelalterlichen Stadt, direkt an der Stadtmauer, unweit des Hohen Tores. Die Klosterkirche stand im Norden. An die Südseite der Kirche lehnte sich die zweifache Klausuranlage aus zwei Höfen und einem Mittelflügel. Der Mittelflügel entstand zeitgleich mit der Kirche und dem westlichen Hof und bildete zunächst das Zentrum des Klosters. Dort waren das Dormitorium, das Refektorium und der Kapitelsaal untergebracht. Wie viele der Brandenburgischen Klöster erlitt auch die Franziskaneranlage in Angermünde große Schäden während des Dreißigjährigen Krieges. Vor allem die Konventsgebäude wurden stark beschädigt und teilweise abgetragen. Das Baumaterial verwendete man für den Wiederaufbau der Stadt. Noch bis um 1800 konnten einige Räume als Herberge genutzt werden. Danach wurden die Klostergebäude jedoch immer weiter zurück gebaut. Die Steine wurden für andere Baumaßnahmen verwendet, u. a. für den Fabrikbau in der Klosterstraße und der Schleusenstraße. So erinnert heute nur noch ein Mauerstück an die Klausur.

Lettner und Wandmalereien

Doch die ehemalige Klosterkirche ist noch vorwiegend original erhalten und gibt Zeugnis von der Geschichte der Franziskanermönche in Angermünde. Sie überstand den Dreißigjährigen Krieg und wurde 1699 in Stand gesetzt. Im 18. Jahrhundert diente sie teilweise als Kirchenraum, teilweise dem Militär als Magazin und Gefängnis. Im 19. Jahrhundert wurde sie, je nach Verwendungszweck, mehrfach umgebaut und verlor dabei völlig ihre ursprüngliche Bestimmung. So beherbergte das Gebäude nacheinander die Feuerwehr, das Heimatmuseum, unterschiedliche Stadtämter und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es erneut als Lagerraum verwendet. Erst 1984 folgten erneute denkmalpflegerische Maßnahmen.

Die zweischiffige Hallenkirche wurde um 1300 aus Backsteinen errichtet. An einigen Stellen ist noch der Feldstein-Vorgängerbau zu entdecken. Der Bau ist asymmetrisch und besteht aus einem breitem Hauptschiff und einem schmaleren Seitenschiff. Der Baudekor der Außenwände weist auf enge Verbindungen mit der „Choriner Bauhütte“ hin. Im 15. Jahrhundert erhielt die Kirche nachträglich u.a. das Gewölbe und ein neues Dachwerk.

Die Besonderheit der Kirche besteht nicht nur in dem schlichten doch eindrucksvollen Außendekor, sondern ist im Rauminneren zu suchen. Dazu gehören die Reste der ersten Wandbemalung aus dem späten 13. Jahrhundert, die noch den Feldsteinbau schmückten, aber auch spätgotische Fresken aus dem 15. Jahrhundert und die polychromen Malereien auf den Gewölben der Sakristei. Einzigartig in Brandenburg ist der gotische Lettner aus Backstein. Die Trennwand zwischen dem Haupthaus und dem Chor, die den Bereich der Klostergemeinschaft von der „Leutkirche“ trennen sollte, datiert ins 14. Jahrhundert.

Quellen (bitte klicken)
  • BADSTÜBNER, Ernst: Brandenburg. Das Land um Berlin – Kunst und Geschichte zwischen Elbe und Oder. Köln 2000.
  • SCHUMANN, Dirk: Angermünde. Franziskaner. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 98–99.