Das ehemalige Franziskanerkloster Angermünde

Waldenser – die Armen Christi

1336 wurden in Angermünde 14 Menschen zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz verbrannt. Dieses Ereignis brachte der Stadt den Beinamen „Ketzer-Angermünde“, denn bei den Hingerichteten handelte es sich um Anhänger einer als Häresie verfolgten Lehre – um Waldenser.

Sie waren neben den Katharern eine der wichtigsten häretischen Gruppen des Mittelalters, die seit ihrer Entstehung in Frankreich in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts bis zur Reformation aktiv blieb. Die meisten Häresien waren dagegen durch die intensive Tätigkeit der Inquisition bereits im 13. Jahrhundert ausgerottet worden. Vor allem unter armen Stadtbewohnern erfreuten sich die Waldenser eines großen Zuspruchs, was vor dem Hintergrund der starken sozialen Unterschiede in den Städten des Hochmittelalters verständlich ist. Die „Pauperes Christi“ (Armen Christi), wie sie sich selbst nannten, predigten ursprünglich die Rückkehr zur Armut und zum apostolischen Leben, nicht jedoch gegen die Lehren der Kirche. Da die katholische Kirche durch das Auftreten des Begründers der Bewegung, Petrus Valdes, ihr Predigtmonopol gefährdet sah, belegte Papst Lucius III. die Waldenser 1184 mit dem Kirchenbann. Später stigmatisierte man sie als Häretiker. Aus der anfänglichen Waldensergemeinschaft gingen unterschiedliche Gruppen hervor, die sich in ganz Europa verbreiteten. Einige von ihnen radikalisierten sich und lehnten die sieben Sakramente sowie u.a. die Heiligenverehrung und den Glauben an das Fegefeuer ab. Sie lebten in kleinen Gruppen, meist im Verborgenen, verzichteten auf jeglichen Luxus oder gar persönliches Eigentum, betrieben weiterhin die untersagte Laienpredigt und passten sich nach außen der Gesellschaft an, um den Verfolgungen zu entgehen.

Die 14 Waldenser, die in Angermünde verbrannt wurden, bezichtigte man der Teufelsanbetung. Der Prozess war angeblich durch die Angermünder Franziskaner angeregt worden.

Franziskaner – die Minderbrüder

Die Stärke der Bettelorden lag zweifellos in ihrem unmittelbaren Kontakt zur Bevölkerung, der sich durch ihre Tätigkeit als Seelsorger und Prediger entfaltete. Aus diesem Grund setzte das Papsttum die Dominikaner und Franziskaner gerne im Kampf gegen die Häresien ein, sei es als Volksprediger – wie Berthold von Regensburg – sei es als Brüder-Inquisitoren.

Dabei entgingen die Franziskaner selbst nur knapp einer Verurteilung als Häretiker. Ihre Ansätze und Ideale waren denen der Waldenser recht ähnlich. Die Gruppe, die sich um 1208 um Franz von Assisi gebildet hatte, wollte in Armut und im Einklang mit dem Evangelium leben, um ihren Mitmenschen zu helfen. Zu dieser Zeit war – anders als 20 Jahre zuvor – die grundsätzliche Haltung der Kirche gegenüber Armutsbewegungen nicht mehr völlig ablehnend. Die Bereitschaft von Franziskus, sich den kirchlichen Hierarchien unterzuordnen, führte dazu, dass Papst Honorius III. die Gemeinschaft 1223, nach anfänglichen Schwierigkeiten, offiziell als Orden der Minderbrüder („Fratres Minores“) anerkannte.

So spielten die Bettelorden nicht nur eine aktive Rolle im Kampf gegen die Häresien. Die Anerkennung der Armutsbewegung als Gegenströmung zu den als ketzerisch eingestuften Gruppierungen bot den Menschen, die nach dem Armutsideal leben wollten, eine Nische im Rahmen der Kirche. Die Orden bildeten seitdem eine Brücke zwischen dieser und dem einfachen Volk und sprachen den „unorthodoxen“ Bewegungen ihre Existenzberechtigung ab.

Quellen (bitte klicken)
  • BLASCHKE, Wolfgang: Angermünde. Franziskaner. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 96–105.
  • ERBSTÖSSER, Martin: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • ESSER, Kajetan: Anfänge und ursprüngliche Zielsetzungen des Ordens der Minderbrüder. Leiden 1966.
  • MERLO, G. G.: Waldenser, Waldensertum. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. VIII, Sp. 1953–1955.
  • MOLLAT, Michel: Die Armen im Mittelalter. München 1987.
  • PELLEGRINI, L: Franziskaner. Allgemeine Struktur des Ordens (Entstehung, Verfassung, Ordensleben). In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 800–806.