Geschichte des Franziskanerklosters Angermünde

Mönche und Bettler

Die Franziskaner waren die einzige Ordensgemeinschaft, die sich im mittelalterlichen Angermünde niederließ. Man geht davon aus, dass die Klostergründung um 1250 erfolgte und schreibt die Stifterrolle dem Markgrafen Johann I. zu, auch wenn keine genaue Überlieferung vorliegt. Das erste sichere Datum, 1299, steht im Zusammenhang mit einem Provinzialkapitel – einer Generalversammlung der Konvente der jeweiligen Ordensprovinz – das in diesem Jahr in Angermünde stattfand.

Da die Franziskaner, ähnlich wie andere Bettelorden, nach dem Armutsprinzip lebten, war ihnen sowohl Privatbesitz als auch Grundbesitz verboten. Die Angermünder bestritten ihren Unterhalt tatsächlich durch Betteln und durch die Vergütung ihrer geistlichen Dienste.

Brüder-Inquisitoren

Zwei wichtige Ereignisse gehören zur Geschichte der Franziskaner in Angermünde. Eins davon ist die Beteiligung der Mönche an der Verfolgung und an den Prozessen gegen die als Häretiker geltenden Waldenser. Das andere betrifft direkt das klösterliche Leben, denn Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster Teil der Observanzbewegung.

Die Verfolgung der Waldenser in der Uckermark ist mit Verfolgungswellen in ganz Europa verbunden. Die Gründung der Inquisition durch Papst Georg IX. im Jahr 1231 trug dazu bei, dass der Kampf gegen die sogenannten Ketzer, an dem sich Dominikaner, aber auch Franziskaner maßgeblich beteiligten, systematisiert und intensiviert wurde.

Bei zwei märkischen Inquisitionsprozessen waren Mönche aus Angermünde anwesend. Das erste Mal wurden 1336 die Waldenser in Angermünde als Ketzer angeklagt.

Ob die Beschuldigung tatsächlich von den Angermünder Franziskanern ausging, ist nicht sicher. Tatsache ist, dass 14 Menschen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und verbrannt wurden. Im zweiten Fall nahm ein Franziskaner aus Angermünde 1458 an einem Verhör im Inquisitionsverfahren gegen die Bewohner von Kerkow und Klein Ziethen teil.

Zurück zu den Armutsidealen

Waren die als häretisch bezeichneten Lehren oft Versuche, die Kirchenlehre zu reformieren, so war die Observanzbewegung ein ähnlicher Versuch, die Ordensregel der Franziskaner auf ihrem Ursprung zurückzuführen. Durch die Bewegung, die aus dem Konflikt um das Armutsideal erwachsen war, spaltete sich der Franziskanerorden in die Konventualen und die Observanten auf. Die Letzteren kritisierten das Engagement des Ordens in Politik und Wissenschaft und forderten eine Rückkehr zu den ursprünglichen Idealen.

Der Beginn der Reformbewegung wird auf 1368 datiert. Der Konvent von Angermünde schloss sich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Observanzbewegung an und lebte bis zur Aufhebung des Klosters in Zuge der Reformation nach dieser Regel. 1556 enteignete Kurfürst Joachim II. das Kloster . Die Anlage blieb bis 1567 in den Händen der Familie Flanß, danach wurde sie von der Stadt Angermünde erworben.

Die Schäden des Dreißigjährigen Krieges trugen dazu bei, dass die Konventsgebäude bis um 1800 vollständig abgebrochen wurden. Erhalten blieb nur die Klosterkirche, die mehrfach saniert und als Kirche, Lager, Feuerwehrräume dienend, seit 1997 Kulturzentrum der Stadt ist.

Quellen und Links (bitte klicken)
  • BLASCHKE, Wolfgang: Angermünde. Franziskaner: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 96–105.
  • ERBSTÖSSER, Martin: Ketzer im Mittelalter. Leipzig 1984.
  • KUTZ, Dietrich: Zur Ketzergeschichte der Mark Brandenburgs und Pommerns vornehmlich im 14. Jahrhundert. Luziferianer, Putzkeller und Waldenser. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 16–17/1986, S. 56–94.
  • MERLO, G. G.: Waldenser, Waldensertum. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. VIII, Sp. 1953–1955.
  • PÁSZTOR, E.: Franziskaner. Spiritualenbewegung; Observanten und Konventualen. In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 805–806.
  • PELLEGRINI, L: Franziskaner. Allgemeine Struktur des Ordens (Entstehung, Verfassung, Ordensleben). In: Lexikon des Mittelalters. München 2003, Bd. IV, Sp. 800–806.
  • UTZ TRAMP, Kathrin: Von Häresie zur Hexerei. „Wirkliche“ umd imaginären Sekten im Spätmittelalter. Hannover 2008.