DIE ANLAGE

Nonnen und Adlige in Friedland

Die Gebäude und Ruinen auf der schmalen Landzunge zwischen dem Kloster- und Kietzer See, die man heute besichtigen kann, zeugen von einer langen und ereignisreichen Geschichte des Ortes. Hier lebten und wirkten bis ins 16. Jahrhundert Zisterzienserinnen hier betrieb man bis ins 18. Jahrhundert ein Rittergut und danach ein markgräfliches Domänengut.
Nach 1734 stand das Gut nacheinander unter der Obhut dreier adliger Familien. Die wechselnden Besitzer passten die Anlage baulich an ihre Bedürfnisse an, die Klostergebäude wurden umgebaut oder wichen neuen Bauten.
Weil die Bauten von der Enteignung der letzten Besitzer 1945 bis 1985 sich selbst überlassen blieben, verfielen sie. Teile wurden aus Sicherheitsgründen abgetragen. Und doch dominiert die Anlage mit ihrer interessanten Geschichte noch heute das Bild von Altfriedland.
Von der mittelalterlichen Klosteranlage überdauerten ein Teil des westlichen Konventsflügels und die Klosterkirche. So sind ein Stück des Kreuzgangs und das Refektorium erhalten. Der ehemalige zweischiffige Speisesaal der Nonnen ist im frühgotischen Stil erbaut und wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts – vermutlich nach einem Klosterbrand – mit einem Sterngewölbe, das sich auf drei schlanke Säulen stützt, ausgestattet.
Vollständig intakt präsentiert sich dagegen die Klosterkirche. Vom ursprünglichen Bau sind allerdings nach vielen Umbauten nur noch wenige Elemente, so die Fußbodenplatten, eine steinerne Rosette und die Reste der spitzbogigen Fenster erhalten. Nach der Säkularisation des Klosters blieb die Kirche bis ins 18. Jahrhundert ungenutzt. Nachdem die Dorfkirche baufällig geworden war, fasste man den Entschluss, die Klosterkirche an ihrer Stelle zur Gemeindekirche umzufunktionieren. So führte man 1733 größere Umbaumaßnahmen durch. Die bis dahin turmlose Kirche erhielt einen Glockenturm und ein neues Dachwerk. Weitere Umbauten erfolgten bis in die 1950er Jahre und veränderten die mittelalterliche Kirche weitgehend.

Zwei Höfe

Nachdem die Klosteranlage im 16. Jahrhundert zu einem weltlichen Rittergut geworden war, bekamen die Bauten eine neue Bestimmung zugewiesen. Sie dienten von nun an als Wirtschaftsgebäude. Neuzeitliche Baulösungen sollten helfen, die Gebäude praktischer zu gestalten. Man baute Räume an, veränderte Strukturen der Bauten und unterteilte die Anlage in zwei Höfe. So wurde der Konventsflügel seit dem 18. Jahrhundert als Mälzerei, später zusätzlich als Brauerei und Brennerei genutzt.

Besteht auch heute keine Möglichkeit mehr, die Anlage in ihrer Gesamtentwicklung und -ausbreitung zu bewundern, so geben uns Schrift- und Bildquellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert darüber Auskunft. Die Beschreibungen erwähnen mehrere Wirtschaftsgebäude, eine neuzeitliche Probstei sowie das 1746 abgerissene Markgrafenhaus.

An das Wirtschaftsgut erinnern heute noch das Roebelsche Haus aus dem 17. Jahrhundert – ein Haus der ersten hier ansässigen Ritterfamilie von Röbel – und das barocke Gutshaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dieses zeichnet sich durch einen zweigeschossigen massiven Kopfbau aus der Gründerzeit aus, der – ähnlich wie andere Umbauten an dem Gutshaus – auf das Betreiben der Gräfin Luise von Oppen zurückgeht. Darüber hinaus existieren noch die Stallscheune und die Gutsmauer. Sie beide stammen, wie das Gutshaus aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Heute wird die Klosterruine durch Konzerte im ehemaligen Refektorium wiederbelebt. Der Konventsflügel ist gesichert und für Besucher zugänglich gemacht, während die Klosterkirche weiterhin Verwendung als evangelische Gemeindekirche findet. Eine Obstwiese auf dem Gelände des ehemaligen Klostergartens wird wieder bewirtschaftet und der Klostersee bietet im Sommer Badegästen Erfrischung.

Quellen
  • GRALAK, Justyna: Das Kloster Friedland. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 108–115.
  • ONASCH, Gregor/WITTKOPP, Blandine: Altfriedland. Zisterzienserinnen. Bau- und Kunstgeschichte. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 79-81.
  • SENST, Ingetraut: Gutachtliche Stellungnahme zum Denkmalwert. Gutsanlage mit Herrenhaus, Roebelschem Haus, Stallscheune, straßenseitiger Grundstückseinfriedung und Park, Fischerstraße 36-39, 15320 Altfriedland. Brandenburgisches Amt für Denkmalpflege und Archäologisches Museum. Wünsdorf/Zossen 2001.

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