DAS ZISTERZIENSERINNENKLOSTER ALTFRIEDLAND

Das Land der Zisterzienserinnen

Die Ortschaft Altfriedland trägt ihren Namen eigentlich erst seit 1845, nachdem im Oderbruch Neufriedland gegründet worden war. Vorher hieß sie Friedland – befriedetes Land – und ihre Bezeichnung ging auf das Zisterzienserinnenkloster zurück, das um 1230 auf einem schmalen Landstreifen zwischen dem Kloster- und dem Kietzersee entstanden war.

Warum für die Niederlassung eine nicht gerade günstige und ungefährliche Lage am Rande des Oderbruchs gewählt wurde, ist schwer nachvollziehbar. Doch die Konventualinnen konnten kaum einen reizvolleren Platz für ihren Rückzug aus dem weltlichen Leben wählen.

Die religiöse Frauenbewegung nahm im Mittelalter verschiedene Formen an. Vielen Frauen erschien ein Leben in einer Klostergemeinschaft erstrebenswert. Auch die reformatorischen Ideen der Zisterzienser mit ihrer Rückkehr zur Einfachheit des Glaubens und des Lebens sprachen viele an. So schlossen sich bereits in der Entstehungszeit des Ordens Frauengruppen mit männlichen Gemeinschaften zusammen, was auf Widerspruch der Ordensväter stieß. Noch zu Beginn des 13. Jahrhunderts war es den männlichen Zisterzienserklöstern verboten, neue Frauenzisterzen zu unterstützen oder gar zu gründen. Der Adel sah dagegen im Klosterleben eine angemessene Versorgung für unverheiratete Familienmitglieder. Mit dem Rückhalt des Papstes und der Bischöfe unterstützte er die Neugründungen der Frauenklöster und trug zu einer raschen Entwicklung des Klosternetzes bei. Offiziell in den Orden aufgenommen wurden die weiblichen Gemeinschaften erst Ende des 13. Jahrhunderts. Die Inkorporation stellte die Nonnen unter den Schutz, aber auch unter die Aufsicht des Ordens.

Ideal und Wirklichkeit

Die Nonnen lebten genau wie die Mönche nach der Ordensregel der Zisterzienser, die ihren Ursprung in der Regel des hl. Benedikt von Nursia hatte. Im Vordergrund standen die Ideale eines gemeinschaftlichen, einfachen Lebens, das – fernab von weltlichen Einflüssen und ohne Privatbesitz – mit Arbeit und Gebet erfüllt sein sollte.

Dass man sich im Kloster Friedland nicht immer danach richtete, zeigen die Akten einer bischöflichen Visitation aus dem Jahr 1381. Die Nonnen standen demnach in regem Austausch mit ihren Familien und weltlichen Bürgern, hielten die Klausur nicht ein, verließen das Kloster und empfingen Gäste. Sie lebten weltlichen Kleiderluxus aus, verfügten über eigene Dienerinnen oder sogar eigene Zimmer und feierten ausgelassen. Dies alles war u.a. deshalb möglich, weil die Schwestern teilweise über private Leibrenten verfügten, was an sich bereits ein Verstoß gegen die Ordensregel war.

Das Verhalten der friedländer Zisterzienserinnen war jedoch in dieser Hinsicht sicher nicht die Regel, aber auch keine große Ausnahme. Viele rechtliche Zeugnisse, wie Visitations- oder Reformakten, literarische Quellen, wie Predigten und Schwänke, aber auch die in Klöstern entstandenen Koch- und Benimmbücher zeigen, dass weltliches und manchmal ausschweifendes Leben vielfach Eingang in den klösterlichen Alltag weiblicher und männlicher Gemeinschaften fanden.

In Frauenklöstern wurde dies besonders dadurch gefördert, dass der Zugang meist nur den Adels- oder wohlhabenden Kaufmannstöchtern offen stand. Im Gegenzug für ihre Mitgift bekamen sie als Unverheiratete und Witwen ein ehrenhaftes Leben garantiert. Viele von ihnen lebten zudem als Stiftsdamen, die kein Gelübde ablegten. Sie konnten ihr Vermögen behalten und selber verwalten, wobei sie nur ungern ihren früheren Lebensstandard aufgeben wollten.

Quellen (bitte klicken)
  • BILANG, Karla: Die Frauenklöster der Zisterzienser im Land Brandenburg. Berlin 1989.
  • ELM, Kasper/FEIGE, Peter: Der Verfall des zisterzienserischen Ordenslebens im späten Mittelalter. In: ELM, Kasper/JOERISSEN, Peter (Hrsg.): Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. S. 237-242.
  • FRISKE, Matthias/GAHLBECK, Christian: Altfriedland. Zisterzienserinnen. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 72-88.
  • GRALAK, Justyna: Das Kloster Friedland. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 108–115.
  • REDDIG, Wolfgang F.: Die Organisationsstruktur des Ordens vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 20–22.

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