Befriedetes Land

Der Name der Zisterzienserinnenabtei „Vredelant“ – Friedland, befriedetes Land – verrät in Verbindung mit der Lage am Rande des Oderbruchs und der damaligen Mark Brandenburg sehr viel über Motivation für die Gründung des Klosters. So demonstrierte die Anlage die Macht der neuen Landesherren, der Brandenburgischen Markgrafen, die um 1230 den Barnim erworben hatten, gegenüber den schlesischen Piasten in Lebus. Obwohl eine urkundliche Erwähnung des Klosters erst für 1271 überliefert ist, wird die Gründung bereits kurz nach 1230 als symbolischer Akt der Askanier vermutet. Diese statteten das neue Kloster großzügig mit Landbesitz aus, was eine stabile Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung darstellte. Der Gesamtbesitz des Klosters konnte sich am Ende des 15. Jahrhunderts durchaus sehen lassen: Neun Dörfer, zwanzig Einzelgüter, mehrere Seen und Fischteiche, Mühlen und Weinberge, sowie zehn Kirchenpatronate. Sicher spielte bei der Besitzvermehrung auch die Tatsache eine Rolle, dass in Friedland meist Töchter des regionalen Adels und des reichen Bürgertums aufgenommen wurden. Sie steuerten reiche Mitgift und Schenkungen zum Klosterbesitz bei. So konnte die Abtei trotz der unsicheren Lage in der Grenzregion und im gefährdeten Oderbruch und trotz zweier Brände sowie mehrerer Überschwemmungen zum Reichtum gelangen.

ora et labora

Das Kloster folgte der Ordensregel der Zisterzienser, war aber nicht in den Orden eingegliedert – was bei Frauenzisterzen oft der Fall war – sondern unterstand dem Bischof von Brandenburg. Genauso abgeschieden wie die Lage des Klosters auf der Landzunge zwischen zwei Seen, so zurückhaltend war die Teilnahme der Nonnen am politischen und wissenschaftlichen Leben der Mark Brandenburg. Aus den Quellen lässt sich nur wenig über die Tätigkeitsfelder der Schwestern entnehmen, Landwirtschaft und Besitzverwaltung mit Hilfe von Konversen standen wohl im Zentrum der klösterlichen Aktivitäten. Die Nonnen führten vermutlich eine Schule, die auch für Dorfkinder zugänglich war, und ein Hospital.

Der Alltag im Kloster ist nur anhand von Vergleichen mit anderen Frauenklöstern zu beschreiben. Vorstellbar sind jegliche Haushalts-, Garten- und Handarbeiten, die Frauen aus guten Häusern zumutbar waren.

Der Grundsatz „ora et labora“ wurde jedoch von den Friedländer Nonnen nicht immer befolgt. Dies zeigt eine Ermahnung des Bischofs Dietrich II. von Brandenburg, der 1381 das Kloster visitierte. Darin wird den Ordensschwestern ein weltlicher Lebensstil, gar Luxus, Kontakte mit der Außenwelt und Ungehorsam vorgeworfen. Besserung wurde unter Androhung der Exkommunikation, einer sehr drastischen Strafe, erwartet.

Wirtschaftsgut und starke Frauen

Das Kloster und seine Besitzungen wurden 1546 säkularisiert und gingen an den Landesherren über. Den noch dort lebenden 40 Nonnen wurden das Bleiberecht eingeräumt und großzügige Einkünfte belassen. Doch mussten die Schwestern von nun an die Verwaltung ihrer Anlage und des Besitzes an einen weltlichen Verwalter abtreten, was zu vielen Konflikten und Streitigkeiten führte. Als Joachim von Röbel die Klosteranlage 1564 kaufte, wohnten dort weiterhin ehemalige Ordensschwestern. Erst 1568 wurde das Kloster als Institution vom Markgrafen Joachim II. endgültig aufgehoben.

Zu diesem Zeitpunkt begann die Geschichte des Ortes Friedland als ritterlicher und adeliger Gutsanlage. Es wurden dort Obst, Wein und Tabak angebaut, Bier gebraut und Schnaps gebrannt. Nacheinander besaßen drei märkische Adelsfamilien das Gut, die von Leswitz, die von Itzenplitz und – bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs – die von Oppen. Aus den Familien sind besonders zwei Frauen hervorzuheben: Helene Charlotte von Friedland (+ 1803), eine herausragende Persönlichkeit ihrer Zeit und erfolgreiche Geschäftsfrau sowie Gräfin Luise von Oppen (+ 1901), der das Gut seine endgültige bauliche Form verdankte.

Nach der Enteignung in Zuge der Bodenreform nach 1945 verfielen Kloster und Gut zur Ruine. Wesentliche Teile mussten aus Sicherheitsgründen 1966 und 1971 abgetragen werden. Erst 1985 wurden erste Schritte unternommen, die Klosterruinen vor weiterem Verfall zu schützen. Archäologische Untersuchungen auf dem Klostergelände folgten. Heute können die gesicherten Überreste des Klosters besichtigt werden.

Quellen
  • GRALAK, Justyna: Das Kloster Friedland. In: KNEFELKAMP, Ulrich/REDDIG, Wolfgang F. (Hrsg.).: Zisterzienser westlich und östlich der Oder. Begleitband zur Ausstellung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Frankfurt (Oder) 1998, S. 108–115.
  • FRISKE, Matthias/GAHLBECK, Christian: Altfriedland. Zisterzienserinnen. In: HEIMANN, Heinz-Dieter/NEITMANN, Klaus/SCHICH, Winfried u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1. Berlin 2007, S. 72–88.
  • SENST, Ingetraut: Gutachtliche Stellungnahme zum Denkmalwert. Gutsanlage mit Herrenhaus, Roebelschem Haus, Stallscheune, straßenseitiger Grundstückseinfriedung und Park, Fischerstraße 36-39, 15320 Altfriedland. Brandenburgisches Amt für Denkmalpflege und Archäologisches Museum. Wünsdorf/Zossen 2001.

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