Rahmenbedingungen

Ausgangslage

Eine der großen Herausforderungen für strukturschwache ländliche Gebiete, so auch für das Kerngebiet des Klosternetzwerks, zeichnet sich hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Sie hängt unmittelbar von den demografischen Entwicklungen ab und beeinflusst diese wiederum direkt. Die wirtschaftliche Strukturschwäche führt aufgrund fehlender Ausbildungs- und Arbeitsplätze dazu, dass junge und gut qualifizierte Fachkräfte abwandern, das Durchschnittsalter der zurückbleibenden Bevölkerung ansteigt und das Fähigkeitenpotenzial der Region sinkt. Letzteres begrenzt wiederum die Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklungsansätze in der Region und führt zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.

Daraus ergibt sich eine weitere Herausforderung für ländliche Regionen, nämlich die Aufrechterhaltung der Infrastruktur.[1] Einrichtungen der Pflege-, Gesundheits-, Sozial- und Bildungsinfrastruktur sowie die Netze der Ver- und Entsorgung und des Verkehrs sind gezwungen, sich dem sinkenden Bedarf anzupassen. Sobald jedoch der Zugang zu grundlegenden Produkten und Dienstleistungen fehlt, setzt sich die Abwanderung fort und das Image der Region verschlechtert sich zunehmend. Einen wesentlichen Bestandteil des regionalen Images stellen außerdem die „kulturlandschaftliche[n] Eigenarten und kulturhistorisch-identitätsstiftende[n] Merkmale der regionalen Baukultur[2] dar, deren Erhalt eine weitere Aufgabe darstellt.

Ländliche Räume stehen vor großen Herausforderungen, doch die geschilderten Entwicklungen sind nicht unabänderlich. Aufgrund ihrer relativ langsamen Abläufe bieten die geschilderten (demografischen) Entwicklungen durchaus Möglichkeiten der Einflussnahme.[3]

Handlungsspielraum und -bedarf besteht im Sinne des demografischen Regelkreises vornehmlich im Rahmen der Wirtschaftsförderung, um die Abwärtsspirale gezielt zu stoppen oder geringstenfalls zu verlangsamen und einzuschränken. Große Potenziale bieten hier die Erschließung ungenutzter Leistungsfelder und der Erhalt eines attraktiven Lebens- und Arbeitsumfeldes. Sogenannte weiche Standortfaktoren sind hier neben verfügbaren Arbeitsplätzen die wichtigsten Ansiedlungsargumente.[4] Die weichen Standortfaktoren erhalten in strukturschwachen Regionen, in denen die harten Standortfaktoren keine Investoren mehr zu überzeugen vermögen[5], einen ganz neuen Stellenwert.[6] Das kulturelle Umfeld einer Region gilt bspw. längst als entscheidend bei der Ansiedlung von Unternehmen und hat nicht nur als imagebildende Maßnahme große Bedeutung: Die Nutzung dieser Faktoren ermöglicht ländlichen Regionen, weitere Profile zu entwerfen und so wieder neue Aufmerksamkeit zu generieren.

Der Kulturtourismus bietet hier gleich zweierlei Potenziale: Zum einen weist er wirtschaftliche Stärken auf, zum anderen erhält und fördert er die historischen Kulturgüter und Angebote und trägt damit entscheidend zum Standortimage bei.

Besonders in den letzten Jahren hat sich der Kulturtourismus in der Netzwerkregion überdurchschnittlich gut entwickelt. Eine Besonderheit Brandenburgs liegt in der Verbindung von kulturellen oder historischen Veranstaltungsorten, die in attraktiven Garten- und Naturlandschaften liegen.[7] Trotz unterschiedlicher Initiativen, Förderprogramme und der positiven Entwicklung im kulturtouristischen Sektor sind die Potenziale jedoch noch nicht ausgeschöpft und die Abwärtsspirale setzt sich fort. Ein Blick auf die Zuständigkeiten in Brandenburgs Tourismusförderung kann eine Erklärung dafür bieten: Wirtschaftlicher Wettbewerb statt Kooperationen prägt die Aktivitäten; auf Landes- und regionaler Ebene bestehen Mehrfachzuständigkeiten. Vor allem auf regionaler Ebene fehlen ernsthafte Kooperationsansätze[8] und „Kirchturmpolitik“ prägt die kulturtouristischen Aktivitäten.

Potenziale

Den kulturtouristischen Einrichtungen der Netzwerkregion stehen häufig nur geringe oder unzureichende finanzielle und personelle Kapazitäten zur Verfügung. Die touristischen Potenziale werden daher meist nicht ausgeschöpft. Die Vernetzung ermöglicht die Bündelung knapper Ressourcen und unterschiedlicher Kompetenzen wie Budget, Personal und Wissen. Dadurch können Spezialisierungsvorteile und Synergieeffekte erzielt und Mehrfacharbeit vermieden werden. Trotz minimaler Ausstattung mit Personal und Finanzbudget können so Aufgaben realisiert werden, die für die einzelnen Einrichtungen nicht zu leisten sind.

Kulturtouristische Angebote leben von ihren Besuchern. Der Bekanntheitsgrad ist aber gerade für kleinere Einrichtungen meist nicht ausreichend hoch. Eine Vernetzung und die gemeinsame Präsentation unter einer Dachmarke machen die Partner sichtbar und erhöhen durch die Abstimmung der Angebote gleichzeitig die Angebotsqualität und das Leistungsspektrum. Möglichkeiten bieten hier u.a. die Entwicklung von Angebotspaketen und die Einbindung weiterer touristischer Dienstleister. Insgesamt erhöhen sich durch solche Angebote die Marktchancen für alle Beteiligten.

Die Zusammenarbeit von Partnern unterschiedlicher Bereiche und Regionen ermöglicht zudem eine Horizonterweiterung und bricht starre Strukturen. Durch regelmäßigen fachlichen Austausch der Netzwerkpartner können Erfahrungen und Wissen in den Bereichen Marketing, Finanzierung und Organisation geteilt werden. Dies fördert den Ideenreichtum und führt zu innovativen und kreativen Ansätzen z.B. in der Entwicklung touristischer Angebote, Produkte und Vermittlungsmaßnahmen.

Die Kooperationen mit (über-)regionalen und internationalen Partnern können neue Finanzierungsmöglichkeiten auftun: Es können Fördergelder für grenzübergreifende Projekte beantragt werden und auch der Bezug privater Mittel wird durch die effiziente und innovative Zusammenarbeit und die große Strahlkraft der Dachmarke erleichtert.

Quellen (bitte klicken)

Text: Lara Buschmann

  1. Vgl. OSTDEUTSCHER SPARKASSENVERBAND (Hrsg.) (2010): Tourismusbarometer. Jahresbericht 2010, Berlin, S. 141; Vgl. BUNDESVERBAND DER GEMEINNÜTZIGEN LANDGESELLSCHAFT (Hrsg.) (2006): Ländliche Räume in der demographischen Falle?, Landentwicklung Aktuell, 12. Jahrgang, Ausgabe Heft 2006, S. 18, 22, veröffentlicht im Internet, URL: http://www.landgesellschaften.de/RZ-BLG-2006.pdf (Stand: 2006, Abfrage: 15.02.2013).
  2. BUNDESVERBAND DER GEMEINNÜTZIGEN LANDGESELLSCHAFT 2006, S. 21.
  3. Vgl. Ebd., S. 18.
  4. Vgl. SEGERT, Astrid/ZIERKE, Irene (2005): Regionale Ungleichheiten aus der Perspektive nachhaltiger Regionalentwicklung. Das Beispiel ländlicher Räume in Deutschland, Brandenburgische Umwelt Berichte, Schriftenreihe der Universität Potsdam, S. 111, veröffentlicht im Internet, URL: opus.kobv.de/ubp/volltexte/2005/591/pdf/BUB16_2Aufl.pdf (Stand: März 2005, Abfrage: 15.02.2013).; BUNDESAMT FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG (Hrsg.) (2001): Raumentwicklung und Raumordnung in Deutschland, Kurzfassung des Raumordnungsberichts 2000, S. 10, veröffentlicht im Internet, URL: http://www.bbsr.bund.de/cln_032/nn_22548/B (Stand: 25.02.2013).
  5. z.B. aufgrund mangelhafter Infrastruktur (Kommunikationsnetze, Abfallbeseitigung, Verkehrsanbindung), geringer Kaufkraft, Fachkräftemangel, weite Entfernungen zu Zulieferbetrieben sowie zu Forschungs-, Bildungs- und Entwicklungseinrichtungen, Eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Stromnetzes usw.
  6. Vgl. DEUTSCHER TOURISMUSVERBAND E.V. (Hrsg.) (2006): Städte- und Kulturtourismus in Deutschland, Grundlagenforschung, Langfassung, veröffentlicht im Internet, S. 63, URL: http://www.worms.de/downloads/Bereich_7/Staedte_und_Kulturtourismus.pdf (Stand: Juli 2006; Abfrage: 15.02.2013).
  7. Vgl. MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KULTUR DES LANDES BRANDENBURG (Hrsg.) (2005): Leitfaden Kulturtourismus in Brandenburg, in Zusammenarbeit mit der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH, Potsdam, S. 7, veröffentlicht im Internet, URL: http://www.mwfk.brandenburg.de/sixcms/media.php/4055/leitfaden_kulturtourismus.pdf (Stand: Januar 2005; Abfrage: 15.02.2013).
  8. Vgl. INSTITUT FÜR KULTUR-MARKT-FORSCHUNG (2005): Kulturtourismus in Brandenburg. Besucheranalyse 2005. Auszug: Veranstalterübergreifende Stärken und Schwächen, Eine Untersuchung im Auftrag des brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin, S. 21 ff.